FluXmeister #10

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Wie definiert sich der Wert eines konzertierenden Musikers und warum kommen Kunst- und Kulturschaffende immer wieder unter die Räder?

Seit Jahr und Tag höre ich von Veranstaltern dieselbe Leier, die sich aus Idealismus speist. Es gibt großartige Events. Und ich bin froh, dass es sie gibt. Nur macht mich folgender Aspekt wütend: Die Musiker haben gelebten Kommunismus zu praktizieren aber der Getränkelieferant darf Kapitalist sein. Und ich muss mich noch scheiße fühlen, weil ich es wage mein Produkt – gar mich selbst –  ebenfalls unserem System gemäß einem Mehrwert zuführen zu wollen.

Ich habe es schon immer so gesehen, dass Musik einen Wert hat, den es zu respektieren gilt. Sonst wäre ich den Weg des konzertierenden Musikers nicht gegangen. Hätte ihn gar nicht gehen können! Wer hätte mich denn bezahlt? Die, die bereit gewesen wären mir einen Wert beizumessen? Für meinen Wert musste ich schon immer kämpfen. In dieser Branche gibt es nichts und niemanden, der in irgend einer Weise einen Preis definiert, den ich als fair und angemessen bezeichnen würde.

Und es gibt auf der anderen Seite haufenweise LeuZ, die Veranstaltungen durchführen und bisweilen sehr selbstgerecht erwarten, dass der kreative, künstlerische Beitrag für die gute Sache oder für das tolle Ambiente, Getränke und Essen geleistet wird. Sollte hier Geld ins Spiel kommen geht der Spirit verloren, der gute Geist der Sache.

Das Thema ist mir gerade in Reinform wieder begegnet. Immer wieder stelle ich fest, dass der konzertierende Musiker ein Einzelkämpfer ist, der selbst von Leuten aus der Branche, die nicht ausschließlich vom Konzertieren leben, nicht nachvollzogen werden kann. Nicht mal von Freunden oder Kollegen Unterstützung erfährt. Wie kommt das? Warum unterliegt gerade der konzertierende Musiker der unausgesprochenen Verpflichtung eine Sozialromantik zu bedienen, die Urlaub von unserer geldwerten Gesellschaft suggeriert?

Musik scheint das Ideal einer eingeschworenen Gemeinschaft ungemein zu bedienen. Und damit geht wohl einher, dass der Musiker, der sich einen finanziellen Wert beimisst dieses Ideal gefährdet, ja sogar Beleg dafür ist, dass die heilige Kuh geschlachtet wird. Aber nicht der Musiker schlachtet die heilige Kuh. Der ist im besten Sinne ihr Hirte. Geschlachtet wird die Kuh von denen, die sie melken ohne sie zu füttern.

Ja, bei anderen darf es ums Geld gehen. Aber hier geht es um andere Dinge. Entweder du bist ein Musketier oder du darfst nicht mitspielen. Gut, respektiere ich. Dann spiel ich nicht mit. Ich frage mich nur: Wo sind die Bühnen, die Künstler darin bestärken von der Musik leben zu können? Wo sind die? In der Regel ist es so, dass die Künstler, die konzertierend leben wollen allesamt auf den idealistischen Events beginnen. Und was wird dabei gelernt? Das diese Events Bestandteil eines Systems sind, die ein Leben als konzertierender Musiker erschweren, wenn nicht gar behindern.

Konzertierende Musiker werden dadurch erfolgreich, dass sie sich einen Wert beimessen. Und je konsequenter sie sind, desto erfolgreicher sind sie. Wenn man aus falsch verstandenem Idealismus seine Fertigkeiten feil bietet darf man getrost auf die Standardfrage des Musikjournalisten: Kann man davon leben? Nein! antworten. Und wenn man den Kunst- und Kulturschaffenden nur einen ideellen Wert beimisst, dann bedient man ein System, in dem diese unter die Räder kommen!

Lasst’s euch gut gehen

Joachim

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