FluXmeister #20

Blog #20

Neustart in eine bessere Welt?

Ich höre im Moment, gerade von jungen Philosophen, vom Neustart in eine bessere Welt. Auf der anderen Seite sprechen die Medien – ich spreche hier von den öffentlich rechtlichen und Printmedien meines Vertrauens: Bild, Focus, FAZ. Blödsinn: Spiegel, Süddeutsche und taz -, vorwiegend aber ARD und ZDF samt deren Spartenkanälen – zu vorderst Phoenix -, sowie dem Deutschlandradio – von der Sehnsucht der Menschen nach Normalität.

Ich sehne mich nicht nach Normalität. Zumindest nicht nach der Normalität, die noch wesentlich desaströsere – ich würde sogar sagen monströsere – Auswirkungen auf unseren Alltag, auf unser Leben und Sterben hat, als die derzeitige Pandemie. Flucht, Vertreibung, Hunger, Folgeschäden der rigorosen Ausbeutung von Resourcen, autoritäre Systeme, Machterhalt, Korruption, Kartelle und organisierte Kriminalität. Alles total geile Normalität. Und wer glaubt, dass es eine Trennung zwischen einer guten Normalität und deren Entartung gibt, der glaubt auch, dass eine Bestrafung des Tötens, des Wegsperrens und der Isolation, die Welt zu einem besseren Platz macht. Der glaubt auch, dass es eine Trennung zwischen der guten organischen und der schlechten, der entarteten menschlich erschaffenen Natur gibt. Zwischen der grünen Wiese, dem Wald, den Meeren und dem kaum verrottenden Plastikmüll, dem Elektroschrott und sonstigem unsäglichen Material.

Aber es ist und bleibt alles eins. Alles ist mit allem vernetzt. Alles kommt aus dem einen scheinbar unendlichen Raum. Auf uns Menschen herunter gebrochen; aus der einen uns umgebenden Welt. Es gibt das größte Große, wie es das kleinste Kleine gibt. Es gibt den reinsten Gebirgsbach, wie es die versiffteste Kackbrühe gibt. Es gibt die Momente des Mitleids, der Nächstenliebe, der Fürsorge, der Empathie, wie es die Rücksichtslosigkeit, das skrupel- und gewissenlose durchsetzen der eigenen Interessen und das mitleidlose Übervorteilen gibt. Die Dualität der Welt, die erst möglich macht zu unterscheiden. Schwarz von Weiß, Gut von Böse, Himmel von Hölle, Liebe von Hass.

Alles Erdenkliche, alles Erschaffene, alle Gnade, alles Grausame, alle Substanz, alle Materie, eben alles ist Teil von allem. Alles ist Natur. Alles ist die eine Welt. Die Natur stellt keine Bedingungen, wie die Evolution ein bedingungsloser Vorgang ist. An der Stelle, an der es gälte über Bedingungen der Evolution nachzudenken, wird es nebulös. Naturgesetze eines Schöpfers? Das soll hier nicht mein Thema sein. Aber wie die Begriffe schon deutlich machen. Natur und Gesetz. Unverrückbare Gleichheit vom einen bis zum anderen Ende des Universums. Mit allem was daraus erwächst oder erschaffen wird.

Wer Bedingungen stellt sind alleine wir! Weil wir nur unter bestimmten Bedingungen lebensfähig sind. Sowohl als kulturelle Wesen, als auch ganz existenziell. Unter bestimmten Voraussetzungen kacken wir ab. Ich habe Respekt vor einem Verständnis von Schöpfung, das auch einen Planenten als etwas leidendes empfindet. Das ist aber nicht mein Vertsändnis. Es gab in der Zeit der Entstehung der Erde und dem Laufe ihrer Geschichte Katastrophen ungeahnten Ausmaßes, denen wir nicht standgehalten hätten. Niemlas! Und der Erde werden wieder katastrophale Ereignisse unvorstellbaren Ausmaßes zuteil. Denen wir ebenfalls nicht standhalten würden.

Aus der Natur heraus eine Begründung für das richtige Handeln abzuleiten macht also wenig Sinn. Das einzige Ergebnis zu dem ich hier komme, wenn ich dieses Weltbild zu Ende denke, ist eine Schicksalsergebenheit, die einem jeglichen Gestaltungsspielraum nimmt. Wir sind das Zentrum der Überlegung wie wir mit den Dingen umgehen! Wir müssen entscheiden, ob wir in einer Kooperation mit der Welt leben, die förderlich ist. Und zwar uns förderlich ist. Wir sollten wahrnehmen, dass ein vernetzt sein mit allem und jedem ebenfalls eine grundlegende Gesetzmäßigkeit ist. Dieser zuwider zu handeln stört den Planeten, das Universum nicht. Aber uns! Uns stört es! Uns zerstört es!

Natürlich nicht alle zur gleichen Zeit und in gleichem Maß. Das macht die Sache tragisch. Denn stört den einen wissentlich, was den anderen unwissentlich zerstört? Nein, tut es nicht. Ein Empfinden für das richtige Handeln ist keine Gesetzmäßigkeit. Wenn es einen Gott gibt, verstehe ich ihn an der Stelle nicht. Was nutzt das Bewusstsein ohne moralischen Kompass? Was hat uns ein Weltbild bauen lassen, dass persönlichen Erfolg auf zutiefst unmoralisches Handeln bauen lässt? Oder ist das Gottes Plan? Ist er ein Zyniker? Macht er sich einen Spaß die Guten von den Bösen zu trennen? Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen?

Wohl kaum. Genetisch und evolutionstechnisch bedingt, scheint nicht moralisches Handeln, sondern sichern, schützen, abgrenzen überlebensnotwendig zu sein. Wenn man die lebensfeindlichen Grundbedingungen in unserem Kosmos betrachtet, kein Wunder… Wunderlich nur, dass es überhaupt zur Entwicklung eines Bewusstseins kam, dass uns genau vor dieses Dilemma stellt. Zu erkennen wie unausweichlich das Leben, um zu überleben, die dunkle Seite der Macht installiert hat, wir aber auf der anderen Seite durch unser Bewusstsein danach streben das Richtige zu tun. Wie auch immer – wie unterschiedlich auch immer – das Richtige definiert sein mag. Nächstenliebe, Mitleid, Empathie, Erfolg, Ficken, Status, Kohle, Rasse, Furz und Feuerstein…

Und ich lande doch wieder bei der Moral. Was uns persönlich betrifft, lässt das Sein durchaus zu, völlig asozial und grenzenlos brutal zu existieren. Uns als Herdenwesen, mit dem Bedürfnis nach Liebe und Geborgenheit, würde ein amoralisches Leben allerdings nur als Psychopaten glücklich machen. Warum nur folgen wir dann so häufig den Psychopaten? Warum denken wir, dass die Menschen, die noch alle Tassen im Schrank haben uns nicht helfen können? Weil die Psychopaten anbieten die Verantwortung zu nehmen! Weil sie anbieten zu führen! Weil sie uns mit der Idee der Einfachheit durch Vermeiden von Komplexität verführen! Und das tragischste dabei: Weil wir bedingungslosen Hass besser ertragen als bedingungslose Liebe!

Im Kampf um die Liebe haben wir hassen, haben wir Neid, Missgunst und Verachtung gelernt. Und die Götzen des Status, der Macht, der Gier und des Erfolgs an ihre Stelle gesetzt. Zutiefst menschliche Probleme! Der Schlüssel zur Lösung unserer Probleme liegt ausschließlich in uns. Wenn wir uns lieben lernen, wenn wir andere lieben lernen, wenn wir Verantwortung nehmen und sie nicht abgeben, verweigern oder von uns weisen. Dann bauen wir Welten, die nicht nur uns selbst, sondern auch künftige Generationen tragen.

Und an dem Punkt, dass wir durch ein katastrophales Ereignis Einsicht und Liebesfähigkeit unserer Selbst und unserer Mitmenschen gewinnen, sind wir nicht. Bei allem Respekt! So werden sich auch nach Corona wieder die Kräfte durchsetzen, die von bestehenden Systemen profitieren, die all ihre Macht und ihre Kraft einsetzen, um weiter ihren Götzen zu huldigen. Und wir werden weiter daran glauben, dass es dazu keine Alternative zu geben scheint.

Soviel zur Frage warum ich das Leben als tragische Veranstaltung empfinde ;-)!

Um mit einer Verschwörungstheorie einer wunderbaren Satire abzuschließen: Moses hat uns mit den 10 Geboten unterjocht. Gott gab ihm nur eines mit auf dem Berg Horeb: Habt euch lieb!

So unglaublich schwer es mir fällt und so groß mein Widerstand bisweilen ist: Ich arbeite dran ;-). Ich halte es für alternativlos ;-)!

Liebe Grüße,

Joachim

FluXmeister #19

Blog #19

„Information is not knowledge. Knowledge is not wisdom. Wisdom is not truth. Truth is not beauty. Beauty is not love. Love is not music. Music is the best…“ Frank Zappa

Alle Begrifflichkeiten haben für mich eine große philosophische Dimension; und wie er hier in einem kleinen Satz unser menschliches Bewusstsein fasst, von Ratio, über Vernunft, zum Gefühl; wie er hier die Brücke vom Denken zum Erleben schlägt, um als Krönung in das Mysterium Musik zu münden, finde ich großartig. Und so wie Zappa kein Entertainer in dem Sinne eines Illusionisten ist, sondern mit Humor und Schärfe den Spiegel vorhält, gehe ich meinen Weg ebenfalls nicht, indem ich durch das Zuspielen der Existenzberechtigungskarte alle Poren des Zweifels mit Gefühlsduselei zuschmiere.

Doch bin ich nicht Gaukler, der wie Zappa im Eulenspiegel-Sinne, zynisch von hinten durch die Brust, den Halb-Gescheiten das Gefühl von Hochmut, im Vergleich zu den anderen Deppen, den Nicht-Gescheiten Häme und voyeurichtische Freude, in Bezug auf die anderen Deppen und den Ganz-Gescheiten humoristische Expertise und Refelxionsansatz, in Bezug auf das Selbst als Teil der ganzen Deppen gibt. Was ihm so, trotz musikalischen Grenzgangs, sehr geschickt erlaubte, sämtliche gesellschaftlichen Gruppen anzusprechen und durch Anpassung an systembedingte Geschäftsmodelle, sehr erfolgreich zu wirken. Sondern ergebe mich in bisweilen tiefer Melancholie eher wie ein Harlekin der Tragik des Lebens. Mit großem Widerstand gegen diese Anpassung.

Ich breche es mal runter auf die Ebene der Gefühlsduselei. Die normale Härte des Lebens ein wenig vergessen zu wollen, ist ein nachvollziehbares Ansinnen. Und dabei behilflich zu sein, ein völlig legitimes Unterfangen. Ein Selbstverständnis der Unterhaltungsbranche. Man könnte sagen Sinn und Zweck der ganzen Veranstaltung. Und es sei jeder und jedem unbenommen, so lange in den dünnen Brettern der Trivialität zu bohren, bis sich in den eigenen Bohrlöchern sinnvolle Muster erkennen lassen.

Mein Wirken ist jedenfalls durchzogen von dem Geist der Konfrontation. Es hat einen moralischen Aspekt. Meine Art die Dinge anzugehen und zu gestalten, hat etwas Appellhaftes, etwas an die Einsicht appellierendes. Sicher! Mit Augenzwinkern! Ich empfinde das Sein als etwas zutiefst tragisches und kann mich gleichzeitig sehr gut darüber amüsieren. Ein Würstchen zu sein bereitet mir keine Sorge. Diese ganze Angst vor Gesichtsverlust und Ehrverletzung ist kein rein orientalisches Thema. Es ist ein zutiefst menschliches und findet sich überall. Die Momente des Selbsthass liegen darin begründet, mich von diesem Scheiß nicht grundlegend befreien zu können. Scheitern nicht gut akzeptieren zu können – überhaupt das Wort Scheitern bisweilen in einer Dimension zu empfinden, die schlechte Gefühle erzeugt, Versagensängste hervorruft und mich dadurch in die Rolle des Unantastbaren zwingt. Elend bisweilen, ja… Aber Humor hilft!

Ich bewege mich in der U-Musik, pflege dabei allerdings eine Haltung, die sicher erfolgversprechender in der E-Musik zu leben und zu wirken wäre. Schwermut und Zweifel sind Säulen meines Charakters, die ich nicht überdeckt wissen will. Die ich offen zeige und lebe. Ich halte meine künstlerische Kraft für sehr stark, ich weiß aber auch, dass in dem Metier, in dem ich wirke, eine Betonung auf die Tragik des Lebens, keine im materiellen Sinne erfolgversprechende Strategie ist. Mit dem beschriebenen Widerstand gegen Anpassung an systembdingte Strukturen, umso mehr.

Aber trotz des Zuwiderhandelns gegen vermeintliche Grundprinzipien der Branche, in der ich tätig bin, lebe ich ein Leben mit, von und durch die Musik. Es gibt sie natürlich auch; die leichten und freudigen Momente. Wenn ich z.B. als Rock’n’Roller gewitzte Licks vor mich hin knattere, ironische, gewitzte, anzügliche Texte singe und den Hengst gebe. Aber die Tragik zeigt sich auch hier z.B. bei den Konzertbesuchern, die sich besinnungslos saufen – mit allen bisweilen erschreckenden Begleiterscheinungen -, die völlig die Kontrolle verlieren und bei denen sich die Hilflosigkeit zeigt, mit der Tragik des Lebens umzugehen. Diese Menschen habe ich im Fokus. Meine Prägung lässt mich viel stärker Scheitern und Lebenslügen wahrnehmen, als die Leichtigkeit des Seins.

Obwohl mir bewusst ist, dass das Scheitern und die Lebenslügen Bestandteil der Leichtigkeit des Seins, der unerträglichen Leichtigkeit des Seins 😉 sind, kann ich dem nicht immer nur mit Humor, sondern oft nur mit einer tiefen Melancholie begegnen. Diese Prägung werde ich nicht überwinden. Aber ich arbeite daran, sie nicht nur als Bürde zu empfinden, sondern als Ausgangspunkt für eine Entwicklung hin zu einem Leben in Selbstzufriedenheit und Akzeptanz. So stelle ich mich meinen Versagensängsten, kämpfe mit den Schatten meiner Vergangenheit und lerne mehr und mehr den Kampf in ein Spiel zu wandeln.

Dieses Spiel hat gerade wieder herausfordernde Züge angenommen, lässt mich aber nicht verzweifeln. Obwohl sämtliche Veranstaltungen abgesagt sind, und ich nicht weiß, ab wann ich mein Leben als Bühnenmusiker weiterführen kann, nutze ich die Zeit für Reflexionen dieser Art, helfe wo ich kann und bleibe kreativ.

Seid herzlich gegrüßt,

Joachim…

FluXmeister #18 – Freischaffende Künstler in Zeiten des Coronavirus

Blog #18

Also gut… Eine weitere Bewährungsprobe für die Arbeit als Freischaffender. Eine erneute harte Prüfung, die Entscheidung betreffend, nicht die Sicherheit, sondern die Selbstverwirklichung gewählt zu haben.

Eine erneute harte Prüfung deshalb, weil das alles, wenn es zur Routine wird, so selbstverwirklichend gar nicht ist.

Ich habe immer danach entschieden, welche Abzweigung mir möglich macht an meinen Idealen fest zu halten, Werte zu leben, die ich gelebt wissen will, um mir selbst gegenüber aufrecht zu bleiben. Ja, um auch authentischer Mahner sein zu können: Practice what you preach!

Aber bisweilen werden Menschen, die ihren Idealen gemäß handeln, bis ins Detail zerpflückt, um aufzudecken, an welcher Stelle sie nicht konsistent sind. Während mit voller Wucht auf die Kacke zu hauen, dass es nur so spritzt, völlig legitim zu sein scheint; machen ja alle so. Man denke nur an Argumentationsketten im Sinne von: “Der wo die Greta da nach Übbersee geschippert hat, hat e Team gehabt, des allesamt geflooche is’! Des war de Greta auch egal!!” Was Menschen zu diesem Scheiß veranlasst, habe ich meine Gedanken zu, mögen aber Psychologen besser beurteilen…

Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit sind Werte, die ich sehr hoch halte. Werte, Ideale, wo bleibt da der Spaß? Der Humor? Genau da wo sich Anspruch und Wirklichkeit bricht. Genau da, wo Altruismus auf Egoismus, wo Gestalten auf Scheitern trifft, wo das Selbstbild Risse kriegt – ja zerbröselt – und man schlau genug ist, sich für die Satire und nicht für das Dogma zu entscheiden.

Und genau diese Haltung war ursächlich, um mich für das Leben als freischaffender Künstler zu entscheiden.

Thema Selbstverwirklichung: Ein ums andere Mal Repertoire vorzubereiten, das ich nicht mag, in Gruppen zusammen zu wirken, in denen die Niveaus heterogen verteilt sind (um es diplomatisch zu formulieren), Gigs zu durchleben, die einen auch mit einer vermeintlichen Jobkarriere, nach fast dreißig Jahren Berufserfahrung, immer noch den Weg zur Toilette als Umkleide weisen, Jobangebote für die tolle Werbung aber leider keine Gage, Sonderförz im Ablauf von Veranstaltungen, Tanzbär und nicht gefeierter Musiker zu sein… Das hat alles nix mit Selbstverwirklichung zu tun.

Und fordert mich als Berufstätigen genau so heraus, wie alle anderen Berufstätigen auch; die durch arbeitsschutzrechtliche Maßnahmen allerdings gestärkt sind an Stellen Nein zu sagen, an denen ich als Freiberufler schlucke, mir den Arsch abwische und weiter mache.

Fällt mir schwer. Sehr schwer sogar! So schwer, dass ich mir dadurch manche Möglichkeit zum besseren Verdienst verbaut habe. So schwer, dass ich bisweilen ganz schön auf dem Arsch gelandet bin. So schwer, dass mir bisweilen ein Ruf voraus eilt. Aber verdammt, ich entscheide mich doch nicht für einen Weg, der auf Sicherheit verzichtet, der einen unsteten Lebenswandel mit sich bringt, der das soziale miteinander mit Familie und Freunden erschwert, um dann noch zu jedem Scheiß Ja und Amen zu sagen!!

Und mir dadurch an bestimmten Stellen wirtschaftlich geschadet zu haben, gleicht mein ungebrochenes Selbstbild locker wieder aus.

Der Kompromiss: Wenn Entscheidungen, die ich treffe von anderen wirtschaftlich aufgefangen werden müssten.

Also lasse ich mich natürlich an vielen Stellen auf Dinge ein, die ich an sich nicht machen möchte, nehme ich bestimmte unliebsame Alltäglichkeiten immer wieder in Kauf.

Und jetzt?

Corona!

Nervige Gigs, anstrengende Gigs, herausfordernde Gigs, erfolglose Gigs, Gigs im Siff, ja gibt’s alles… Aber besser als gar keine Gigs!

Und über die Jahre habe ich mir einen Alltag gebaut, der meinen musikalischen Neigungen, meinen Ansprüchen, meinen Vorlieben immer mehr gerecht wird. Ich habe Achtsamkeit, Demut, Wertschätzung, Abgrenzung und einzuschätzen gelernt, in wen und was es sich zu investieren lohnt. Habe dabei ein Kind gemeinsam mit meiner Frau groß gezogen und setze mich vor allem mit FluXmeister ein, um Haltung zu zeigen und zum Besinnen einzuladen. Einen Schritt zurück zu treten, um persönliche und gesellschaftliche Wirkungsweisen zu reflektieren, zu hinterfragen und zu überdenken.

Dafür braucht es im Moment FluXmeister nicht.

Wenn man es positiv sehen will, bietet sich diese Chance ganz unabhängig eines kritischen Kulturbetriebes.

Aber der Kulturbetrieb braucht jetzt Euch!!! Und einen Staat, der bereit ist in mich, in uns Kulturschaffende zu investieren ohne etwas zurück zu verlangen. Wir Kulturschaffende geben viel. Und das z.B. auch ohne Anspruch auf Arbeitslosengeld. Alleine die Stunden aufzuzählen, die aufgewendet werden, um mit dem Erarbeiten von hochkomplexen Fertigkeiten scheinbar mühelos zu unterhalten, Spaß zu bereiten, zu Irritieren, Anregung zu bieten, sein Selbstbild zu bilden und zu stärken, würden, übertragen auf eine “normale” Jobkarriere, fast mühelos einen Aufstieg in die Führungsetage mit sich bringen.

Das Ausprägen dieser Fertigkeiten erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin, an Selbstorganisation, an Selbstreflexion und im Falle, dass man als Bandleader fungiert ein hohes Maß an Führungskompetenz. Man spielt nicht gemeinsam gut, indem man brüllt: “Scheiße, spielt jetzt verdammt noch mal gemeinsam gut!!!” Es braucht Klarheit, Selbstgewissheit, konkrete Vorstellungen und die Fähigkeit diese zu vermitteln, die Fähigkeit zu motivieren, das Definieren und Benennen gemeinsamer Ziele und das Organisieren starker gemeinsamer Momente. Und das gepaart mit dem aus künstlerischem Antrieb scheinbar naturgegebenen Selbstzweifel, der Bereitschaft sich immer wieder zu hinterfragen. In meiner Utopie sind es solche Menschen, die sich zur Führung eignen und nicht die, die durch materielle Güter Macht anhäufen, angeben und kompromittieren.

Ich könnte hier weiter der freischaffenden Kunst das Wort reden. Aber ich möchte konkret werden. Einen Vorschlag machen, wie möglich wäre uns über die Krise zu helfen:

Und zwar Ausgleichzahlungen für jeden dokumentierten Ausfall einer Gage. Eine Ausgleichzahlung, die nicht zurück erstattet werden muss! Und das in dem prozentualen Maß, dass auch für das Kurzarbeitergeld festgelegt ist. 60% für Singles, 67% für Leute mit Familie. Und das möglichst unkompliziert.

Ein ausgefallener Gig ist in aller Regel nicht in dem Maße nachzuholen, dass es keinen Verdienstausfall bedeutet! Wenn im Herbst gespielt wird, dann nicht gleich wieder im kommenden Frühjahr. Und wenn gänzlich aufs nächste Jahr verschoben wird, wäre das ohnehin das Rebooking gewesen, sprich die entsprechende Gage ist weg. Wenn man neues Terrain erobert hat, kann eine Absage ein Zurücksetzen auf Null bedeuten.

Und bei Krediten, egal in welcher Form, entstünde für viele KollegInnen auch nach der Krise existentieller Druck, da aus einem ausgefallenen Gig keine zwei neuen resultieren.

Nach meiner Einschätzung werden die Menschen nach der Krise zwar mit einer unglaublichen Euphorie – vielleicht ja sogar mit einer ganz neuen Wertschätzung – in die Clubs, Festivals, Bars, was auch immer gehen. Aber selbst wenn alles wieder etwas gelockert wird, gehe ich davon aus, dass eine gewisse Unsicherheit bleiben wird und es noch eine Zeit dauern wird, bis sich die Menschen wieder ungehemmt auf dichtes Beisammensein einlassen werden. Zumal bis zu einer flächendeckenden Durchseuchung noch mal eine zweite Krise im Herbst/ Winter kommen kann. Wir werden sehen.

Ich bin einverstanden mit unserem Staat. Ich kann die Maßnahmen nachvollziehen und kann auch meinerseits nur an die Solidarität appellieren. Wenn jetzt noch die Wertschätzung durch zeitnahe konkrete Unterstützung erfolgt, wende ich mich gelassen innerer Einkehr und kreativem Schaffen zu.

Bleibt Gesund und geduldig!

Joachim

FluXmeister #17

Blog #17

Die Geister meiner Vergangenheit

Das könnte jetzt was länger werden… Wer allerdings gerne bisschen checken möchte wo ich herkomme, was mich geprägt hat und mich bisweilen umtreibt, der ist herzlich eingeladen diesem Blog-Beitrag zu folgen.

Ihr kennt sicher die Momente, in denen ihr schlechte Gefühle bekommt. Wenn ihr Situationen erinnert, in denen ihr euch zutiefst peinlich benommen habt, in denen ihr zutiefst ungerecht und unfair ward, andere verletzt habt, euch selbst gedemütigt und erniedrigt vorkamt oder Situationen erlebt habt, die ihr nicht hättet erleben wollen – mit Eltern, in der Schule, mit Freunden oder gänzlich unvermittelt -, die in euch immer wieder – ausgelöst durch Gerüche, Gesichter, was auch immer – schlechte Gefühle erzeugen. Situationen, die ihr gerne in eurer Geschichte ungeschehen machen würdet, und in denen ihr euch wünscht anders gehandelt zu haben.

Diese Erinnerungen, die immer mit dem Gefühl der Unzulänglichkeit einhergehen, versuche ich dann wegzupfeifen oder irgendwie möglichst schnell aus dem Kopf zu bekommen. Wegpfeifen hilft allerdings wenig! Das sind die Momente, die tief eingeprägt sind, die sich je nach Gemütslage mehr oder weniger nach vorne drängen. Die durch Selbstreflexion nur bedingt zu befreien sind. Eigentlich nur therapeutisch oder in der Auseinandersetzung mit den Menschen, an die diese Erfahrungen oder Gefühle geknüpft sind.

Einige dieser Menschen, die in mir diese Schleier auslösen leben nicht mehr. Wie z.B. mein Vater oder meine Mutter. Hier hilft – und hat auch schon geholfen – nur therapeutische Hilfe, wenn es den Wunsch gibt diese Emotionen zu befreien. Manche Begegnungen lassen sich auch nicht einrichten. So gab es eine Zeit, in der mir die Befreiung eines Schleiers in Bezug auf meine erste Jugendliebe wichtig gewesen ist. Wir waren auch in Kontakt. Irgendwie scheine ich es verbockt zu haben; eine Begegnung war nicht erwünscht.

Und seit Tagen, wenn nicht Wochen, legt sich wieder häufiger ein Schleier über mein Gemüt. Und zwar in Verbindung mit meiner Zeit im Café Wojtyla. Hier habe ich prägende Zeiten erlebt. Das fand alles im Zeitraum von etwa meinem 16. bis 20. Lebensjahr statt. Gekifft, gevögelt, gesoffen, musiziert. Nicht unbedingt in der Reihenfolge, aber alles im Übermaß. Und noch einiges mehr, was mich hätte wegkippen lassen können. Ich war der Großmannssucht verfallen und habe mich bisweilen benommen wie ein Arsch! Ich war aber auch schon immer sehr kreativ und hatte – sicher auch bedingt durch frühe tiefgreifende Verluste – schon immer eine Tiefe, die mich sehr gründlich mit mir und der Welt an sich und im besonderen hat auseinandersetzen lassen.

Meine Kreativität und meine Art der Auseinandersetzung war sicher auch inspirierend für einige Menschen in meinem Umfeld, wie sie mir an vielen Stellen Inspiration waren. Es gab aber auch Demütigungen, die wie so oft, nicht zwingend beabsichtigt, Wunden gerissen haben, die zum Teil nur notdürftig vernarbt sind. Hier gibt es eine Zeit, die noch tiefer geht: Meine frühkindliche Prägung. Die ist aber nicht Thema meines Blogs. Mir geht es um die Schleier, die im Moment mein Gemüt belasten. Und die betreffen meine Adoleszenz.

Im Wojtyla-Umfeld gab es viel Idealismus. Bestrebungen die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Wie das bei Linken aber gerne üblich ist, nicht dadurch, dass man sich gegenseitig bestärkt und bestätigt, sondern auch gerne indem man sich aneinander abarbeitet. Aber nicht die Kritik macht die Welt zu einem besseren Ort. Nicht die Vorhaltung ungenügend zu sein. Als Mann, als Teil der Gesellschaft, als zu unpolitisch, als zu lethargisch, als zu dominant, als was auch immer. Das schafft verkopfte Selbstoptimierer. Die je nach Intellekt immer perfider lernen ihre Untiefen zu verschleiern. Was die Welt zu einem besseren Ort macht ist Liebe! Und Liebe ist ihrem Wesen nach anerkennend, bestätigend, vergebend.

Das hat lange gedauert bis ich das verstanden habe. Denn in Bezug auf Kritik war ich gerne an vorderster Front. Allerdings – und das war das was mich zum Solitär in der Wojtyla-Gemeinschaft gemacht hat – nicht nur in Bezug auf das Schweinesystem und überkommene Gesellschafts- und Rollenbilder. Sondern eben auch in Bezug auf Ideale.

Unsere Geschichte ist eine Geschichte der Gewalt und der Kriege. Dinge werden in Besitz genommen und erobert. Anschließend verteidigt oder verloren. Und darüber entscheiden immer wieder Eliten, die sich herausbilden. Bis sie entweder entmachtet werden oder sich überleben. Und dann bilden sich die nächsten Eliten heraus. Und zwar nicht mit Menschen, die jenseits der Erfahrungswelten agieren, die mir geläufig sind. Sondern mit Menschen wie du und ich! Und vielleicht sogar mit Menschen, die früher im Café Wojtyla palavert haben und mittlerweile mit am Rädchen drehen. Und genau das war mir als junger Mann schon klar.

Eine ziemlich unangenehme Position für sämtliche Beteiligten. Einhergehend mit Arroganz und Selbstherrlichkeit war ich so wahrscheinlich auch nicht der angenehmste Spiel- und Diskussionspartner. Aber daran habe ich gearbeitet. Schon damals und ich tue es immer noch. Und siehe da, es wandelt sich mehr und mehr in Demut. Noch viel lernen er muss!

Aber ich war bei den Schleiern, die sich über mein Gemüt legen. Damals gab es nicht zwingend die Unterstützung für meine Haltung oder für meine Kunst. Das Wojtyla-Umfeld hat mich wahrgenommen als einen selbstverliebten Drogi, der gut Gitarre spielen kann. Natürlich gab es auch ein Umfeld von LeuZ, die mehr in mir gesehen haben. Aber die spielen in Bezug auf meine Schleier keine Rolle ;-).

Nein, es waren die LeuZ, mit denen ich schon seinerzeit darüber diskutieren musste, dass die Dinge, die aus ihrer Sicht frei von Kommerzialität sein sollten genau die Dinge sind, von denen ich Leben will! Ich will tiefe Auseinandersetzung, Kreativität, eine andere Form des Umgangs und des Arbeitsalltags nicht in meiner Freizeit. Das habe ich als Widerspruch empfunden. Liest sich ja auch so! Und wie geht das in unserem kapitalistischen System anders als für die Dinge, die man liebt und mit denen man sich sein Leben verdienen will, einen Gegenwert zu verlangen?

Ich wollte nicht warten bis die Gesellschaft komplett revolutioniert und alle Ideale verwirklicht sind. Utopist war ich nie. Eher Zyniker. Gewiss: Fairness und Gerechtigkeit sind hohe Werte für mich. Und ich arbeite immer transparent, offen und mit dem Angebot mit zu gestalten. Trotzdem war mir früh klar, dass wenn ich jetzt als Künstler eine Zukunft bauen will, dann geht das nur dadurch, dass ich meiner künstlerischen Leistung einen auch kapitalistischen Wert beimesse.

Meine Haltung führte dazu, dass ich als zu unpolitisch – im Sinne von zu wenig bereit zur Revolution – die Möglichkeit abgesprochen bekam im Bauwagendorf in Rodenbach zu leben. Diese Haltung führte dazu, dass ich als zu kommerziell im Umgang mit meinen Interessen wahrgenommen wurde. Bis hin zu sehr verletzenden Momenten. Vieles lag ziemlich tief und nicht mehr präsent.

Jetzt kam es aber dazu, dass eine Veranstaltung eine Wiederbelebung erfährt, die ganz wichtig war für das Wojtyla-Umfeld: Das Open Ass. Eine Open Air – Veranstaltung, die sämtlichen LeuZ ein Forum bot. So auch mir seinerzeit. Ich war zunächst skeptisch, ob ich mir vorstellen kann den ganzen Menschen wieder zu begegnen. Aber ich dachte doch recht schnell, dass hier durchaus die Möglichkeit besteht mich mit meiner Vergangenheit auszusöhnen und sicher auch toll sein kann sich wieder zu sehen.

Wichtig wäre für mich in dem Kontext gewesen für FluXmeister ein Forum zu bekommen. An sich dachte ich tatsächlich, dass es auch eine Selbstverständlichkeit sei, als altgediente inspirierende Persönlichkeit des Wojtyla dieses auch zu bekommen. Aber hier war ich offensichtlich nicht der erwachsene Joachim, sondern diese Erwartungshaltung ergab sich aus meiner frühen bisweilen frustrierenden Geschichte mit diesem Umfeld. Sicher rational betrachtet eine vermessene Erwartung. Trotzdem hat mich die Mail mit der Absage ziemlich verletzt. Die Schleier ausgelöst von denen ich hier berichte. Wieder sah ich mich in dem Umfeld nicht wahrgenommen und zurück gewiesen.

Auch wenn mich das triggert, und  ich so drei Jahrzehnte zurück gehe. Und der junge Joachim schreien könnte: Ihr Pisser! Ihr Ignoranten! Ihr selbstverliebten Arschlöcher, die ihr euch in 10 Jahren in irgendwelchen Vorstandsetagen den Arsch wund verdient! Aber hey, das sind junge Menschen, denen meine Geister aus der Vergangenheit total wurscht sein können und auch sollen. Sie sollen ein geiles Fest feiern!!!

Und ich übe noch ein wenig Demut ;-).

Übrigens nehmen mir Verpflichtungen über das gesamte Wochenende die Entscheidung ab, ob ich trotzdem hingegangen wäre. Ja, wahrscheinlich wäre ich das, aber ob ich es hätte genießen können? In jedem Fall ringe ich mit den Geistern meiner Vergangenheit. Und das ist allemal besser als sich vor ihnen zu verstecken!

Liebe Grüße

Joachim…

FluXmeister #16

Blog #16

Well, it’s ashes to ashes and it’s dust to dust, but if you won’t take me then I guess the devil must…

                                                                                                                                                                           Rory Gallagher

Der Tod von Michael schmerzt mich noch sehr. Und auch die Kollegen trauern nach wie vor. Uns war von Beginn des Verlustes an klar, dass wir den Weg weiter gemeinsam gehen werden. Und doch war es nicht leicht den Faden wieder aufzunehmen. Nicht wissend, ob unsere Sensibilität schon ermöglicht Kraft für den weiteren Weg zu finden.

Schön war es wieder voneinander zu hören und zu lesen. Gut hat sich angefühlt bei den ersten gemeinsamen Begegnungen Michael in unseren Herzen zu wissen und zu spüren, dass richtig ist weiter zu gehen.

Auftritte und die Nachfolge für Michael standen erst mal nicht auf der Tagesordnung. Ein erstes Treffen fand beim Afghanen statt. Frank, Niels, Alex, Jürgen und ich haben uns zu einem feinen Abendessen getroffen, um die Stimmung zu erfassen und zu schauen was erste konkrete Schritte sein können. Weiter kreativ arbeiten – ja 2019 einen Schwerpunkt auf das kreative Arbeiten zu setzen – war sofort der gemeinsame Nenner. Business machen und die Marke FluXmeister nach vorne bringen hat für uns im Moment keine Prio.

Wir trafen uns wieder im Proberaum und haben vier neue Songs erarbeitet. Von zwei dieser Titel hatten wir bereits begonnen Teile mit Michael zu arrangieren. Und auch schon dokumentiert. Es war hart für mich diese Parts zu hören. Die einzigen Tondokumente von FluXmeister mit Michael am Bass. Einen Song haben wir komplett mit ihm fertig arrangiert und auch schon im Proberaum aufgenommen. Vielleicht macht die Technik möglich diesen einen komplett mit Michael dokumentierten Song so zu bearbeiten, dass wir ihn veröffentlichen können. Ich würde mich freuen…

Einen weiteren Titel hatte ich gerade in der Mache. An meinem Geburtstag am 16.11. saß ich in treuer Runde, unter anderem mit Michael, zusammen und habe ihm davon berichtet. Er war sehr gespannt und voller Vorfreude. Die finale Arrangement-Empfehlung für ein erstes Proben mittags am 18.11. fertig gestellt und dokumentiert. Abends erfuhr ich von seinem Tod.

So haben diese Titel für mich etwas sehr besonderes und berührendes. Und wie so oft im Leben Licht und Schatten. Freude über das gemeinsame Schaffen und die unvergessliche gemeinsame Zeit. Und Schmerz darüber, dass sie vorbei ist. Diese Gefühle trage ich ohnehin in meinem Herzen; durch diese Songs erlebe ich sie immer wieder unmittelbar.

Wir haben einen Auftritt in Aussicht. Und zwar in der Musikkneipe KARL in Heidelberg. Ein toller Laden. Sehr nette Leute, eine coole Socke, die den Laden schmeißt. Matz, der ebenfalls Musiker ist und in einer Top-Purple-Cover-Band trommelt. Als dieser jetzt in greifbare Nähe rückte, stellte sich jetzt die Frage, ob wir absagen oder einen Plan entwickeln, wie wir den Gig spielen können. Denn nach wie vor haben wir uns in Sachen Nachfolge für Michael keinen Druck gemacht. Wir haben unsere Fühler ausgestreckt und werden schauen was sich ergibt. Auf eine Entscheidung drängen wegen des Gigs wollten wir nicht.

Also haben wir entschieden: Wir spielen den Gig auch ohne Bass! Sicher eine gewagte Entscheidung. Aber in Anbetracht des Schicksals der Band, für unser Publikum sicher nachvollziehbar. Das mit einem positiven Ausblick in die Zukunft, verbunden mit dem gebührenden pietätvollen Respekt zu vermitteln, wäre Alex und mir sicher gelungen.

Kaum war die Entscheidung getroffen, da hat sich Jochen Karger, der ebenfalls ein enger Vertrauter von Michael war, mit Frank zusammen geschnackt und ihm mitgeteilt, dass er uns gerne unterstützt. Er wird durch seine zahlreichen Verpflichtungen nicht die Zeit finden das gesamte Repertoire auf Blatt und in die Finger zu bekommen. Aber wir sollen ihm doch mitteilen welche Stücke die größten Lücken ohne Bass lassen würden. Und die schafft er sich drauf. Toller Kollege! Vielen Dank dafür!

Und nicht nur er. Als ich mich mit Alf Thamer, ebenfalls hervorragender und versierter Musiker zu einem Bierchen traf, um über eine Zusammenarbeit zu reden, kamen wir auch auf FluXmeister zu sprechen. Als ich ihn auf den Stand gebracht hatte, war sein Kommentar: “An diesem Abend wird es kein Stück ohne Bass geben!” Ist das geil? Großartig um solche Menschen zu wissen.

Und so teilen sich Alf und Jochen am 04.04. den Job am Bass. Eine erste Probe haben wir schon gemeinsam absolviert und große Freude mit- und aneinander gehabt. In Michaels Gedenken werden wir aufspielen und sicher eine gute Zeit miteinander verleben.

Was in der Röhre hängen geblieben ist, ist die Produktion unseres Live-Albums und das Erstellen unserer Videos. Hier bin ich mit dem Label im Gespräch und wir werden den Faden wieder aufnehmen. Plan ist, dass wir voraussichtlich Ende dieses, Anfang nächsten Jahres mit dem Album aufwarten werden. Wir sind am überlegen, ob wir ein Doppel-Album auflegen. Eine Scheibe das genannte Live-Album. Und die andere, Material von der Firnis und der EAe im neuen Mix mit neuem Sänger. In jedem Fall wird was kommen.

Und die nächste Zeit arbeiten wir schwerpunktmäßig gemeinsam an FluX III. Wir freuen uns drauf.

The story continues…

FluXmeister #15

Blog #15

Oh wie schön ist Panama

Tja, es gibt sie für mich immer noch. Die Sehnsüchte, die Träume von Ländern, in denen Milch und Honig fließen. Nicht, dass ich so naiv wäre von einer Zwangsläufigkeit der Ereignisse auszugehen. Aber schön wäre es schon, wenn Gewissheit wäre, dass beharrliches qualitätsvolles Arbeiten mit hervorragenden Musikern und Menschen – darüber hinaus mit einem bemerkenswerten Umfeld von Unterstützern – sich auszahlt. Und zwar in einer Zeit, die noch genug Luft zum Atmen lässt ;-).

Ja, ich weiß; das Leben besteht zum überwiegenden Teil aus Scheitern. Und Erfolg ist genau deswegen so erstrebenswert, weil er dem üblichen Scheitern entgegensteht. Irgendwann gibt es nicht mehr so sehr die Polarität zwischen Scheitern und Erfolg, sondern die Frage: Kann ich mit dem Ergebnis zufrieden sein? Und das Ergebnis hat viele Facetten – alles eine Frage der Wahrnehmung. War es ein befriedigendes Erlebnis mit den Menschen die beteiligt waren? Haben wir eine starke und leidenschaftliche Performance geliefert? Waren wir “perfekt”? Ist eine Steigerung in den Publikums- und Verkaufszahlen zu verzeichnen? Ist was in der Kasse gelandet?

Eine Mischung aus alldem macht Erfolg für mich aus. Und einige der gestellten Fragen kann ich positiv beantworten. Bitter bleibt die Tatsache, dass es ungemein schwer ist Publikum zu generieren, und somit Veranstalter in ihrem Bemühen ebenfalls der Bitternis zu entkommen hervorragende Acts vor leerem Haus auftreten zu lassen, eine Garantie zu bieten, die Hütte voll zu bekommen. Selbst die Bereitwilligkeit nur für Fahrtkosten aufzutreten – was in Anbetracht der geleisteten Arbeit, die in eine Band investiert wurde, um sie überhaupt in den Stand zu versetzen ihr Material gekonnt darbieten zu können, lächerlich ist – wird oft mit den Worten gekontert: “Es kennt euch keiner! Ich muss den Laden aufschließen, jemanden an die Kasse stellen, Technik zur Verfügung stellen – hier ggf. mit Personal, habe Leute an die Theke zu stellen, zu heizen, zu kühlen, sauber zu machen, etc. Und wenn keiner kommt habe ich draufgelegt!” Schwer was dagegen zu sagen!!!

Die einzige Möglichkeit ist also dafür zu sorgen, dass Leute kommen. Welche Möglichkeiten gibt es? Einen Hit schreiben! Den Leuten irgendwie zu vermitteln, man ist hip und es ist cool, wenn man auf uns steht! Oder einfach sein Ding machen und darauf zu vertrauen, dass damit spannende Begegnungen, tolle Momente und geile Mucke bei rauskommt. Das letzte war immer mein Weg. Und dem werde ich auch treu bleiben ;-).

I’ll ride on! And I hope all companions will follow ;-).

Und eine neue Begleiterin ist dazu gekommen, die ganz tolle Arbeit leistet: Hanna Maiberger. Sie zeichnet für unsere Social Media Präsenz verantwortlich und baut immer tolle Collagen, Videos und Beiträge aller Art. Der durch sie in Form und Gestalt gebrachte Content ist absolut qualitätsvoll und ein weiterer Aspekt professioneller Arbeit. Zusammen mit Michael – unserem neuen Bassman – werden Strategien erarbeitet und Pläne umgesetzt. Und die Kiste ist mal richtig im Flow! Große Klasse!

Wir arbeiten weiter an neuen Songs. Drei Titel für ein neues Album sind fertig geschrieben und arrangiert, ein Vierter in der Mache und die Idee zu No5 ist auch schon konkret. Es gibt immer viel zu tun. Aber Raum für den Prozess des Schreibens nehme ich mir; so auch die Kollegen.

8 StudiotraX aus unserem Portfolio sind in Kürze fertiggestellt und zeigen in exzellenter Form FluXmeister mit ihrem neuen Frontmann Alex Ahner! Die nächste Arbeit, die wir dieses Jahr noch abschließen möchten ist das Produzieren von 5 professionellen LIVE-Videos.

Und dann schließt sich der Kreis zu meinen Einlassungen am Anfang des Blogs: Es gilt sich zu bewerben und Publikum für sich zu gewinnen. Am besten bei Festivals, da dort Leute sind, die sich Acts ansehen wollen, die sie kennen. Und so hoffnungsvoller Weise auch uns eine Chance geben. Oder auch bei Agenturen, die das Potenzial sehen und uns als Support schicken. Viele Dinge sind vorstellbar. Zähe und schwierige Arbeit, die mir – ich sag’s wie’s is’ – mit fortschreitendem Alter immer schwerer fällt und zusehends auf die Nerven geht.

Ich habe keinen Bock mich mit einem Projekt das alles hat was es braucht – gute Musiker, gute Songs, gute handwerkliche Qualität, Menschen, die etwas darstellen und zu sagen haben, Leidenschaft zur Sache und ein eigenes Profil – wie klein Hänschen vor dem Türsteher der Dorfdisko zu fühlen. Mag sein, dass mir hier die Demut fehlt. Und ich bin in der Hinsicht schon ein langes Stück Weg gegangen; aber verdammt: Bin ich wirklich so ein Sonderling, dass nur ich erfasse wie bemerkenswert FluXmeister ist? ;-).

Ich freue mich auf jeden Fall auf jedes Stück weiteren Weges mit Frank, Niels, Michael, Alex, Seb, Jürgen, Hanna und allen weiteren Unterstützern. Ihr seid klasse!!!

Stay tuned!

FluXmeister #14

Blog #14

Ein spannender Weg – Herausforderungen bleiben

 

Meine Situation:

Ich verdiene Geld mit Krüger Rockt!, als Bandcoach und Musiklehrer der Montessorischule Main-Kinzig, dem Dirty Boogie Orchestra und den Hound Dogs. Damit ist mein Kalender an sich voll.

Hinzu kommt FluXmeister. Zwar meine Passion, aber ein Projekt mit eigener Musik zu führen – mit allem was es hier braucht, um im Prozess zu bleiben – ist der nächste Fulltime-Job. Sowohl was die kreative, als auch was die administrative Arbeit betrifft.

On top B2TS und Shadow Play. An sich „Spaßprojekte“.

Aber ob nun Geld verdient wird oder nicht. Überall sind Menschen am wirken denen Qualität wichtig ist. Und Anspruch bedeutet Auseinandersetzung, Entwicklung, Prozess. Und das mal sieben… Egal, jeder hat ein unterschiedliches Stressniveau. Mancher sagt: Na und? Andere eher: Krass! Entscheidend ist wie es mir damit geht. Und ich mache gerade die Erfahrung, dass auch ein zu viel an gut bisweilen zur Belastung werden kann.

Wenn ich z.B. in der Vorbereitungswoche der Schule auf das kommende Schuljahr erfahre was alles ansteht, welche Termine zu berücksichtigen sind, wer alles neues aus der Grundschule in die Sekundarschule kommt, Inklusionskinder am Unterricht teilnehmen (Hilfe, kann ich das überhaupt?). Wenn mir Harald von Krüger Rockt! schreibt, dass Alfons Schuhbeck mit uns spielen wird und eine Latte Songs anhängt, die auszuchecken sind, einen Termin am anderen für 2018/19 raushaut, wenn Michael schreibt, dass er mit dem Orchestra ein Weihnachtsprojekt á la Setzer machen will, damit es im Orchestra Progress und neue Felder fürs Booking gibt; hier schon mehrere Arrangements in Auftrag gegeben hat, bei FluXmeister alles mögliche tolle Material unbearbeitet in der Röhre hängt und es gilt Bookingmäßig nach vorne zu kommen – ein neues Album wäre auch nicht schlecht – und eine Liste von Songs seitens B2TS kommt, dann ist das einerseits natürlich großartig. Ich bin als Musiker voll ausgelastet und sogar darüber hinaus. Ich verdiene das Geld, das ich brauche und manchmal sogar darüber hinaus. Trotzdem sitze ich manchmal relativ leer vor dem Rechner und denke: Das geht nicht! Dreh und wende es wie du es willst. Das kriegst du nicht alles unter einen Hut.

Was zu der Frage führt: Warum habe ich mir das so ausgesucht? Weil ich die Herausforderung brauche, um mich zu spüren. Am Limit zu sein vertreibt zudem die Depression. Eigentlich liege ich gerne zuhause auf der Couch. Aber uneigentlich fühle ich mich dann luschig. Und deswegen fange ich an was auf die Reihe zu kriegen. Irgendwie immer das Pendeln zwischen luschig und Vollalarm ;-).

Nein, mal im Ernst: Krüger Rockt! hält den Status des Profis aufrecht und ist ein tolles Team. Ich mache hier Musik die ich mag, wenn das aber alles wäre was ich musikalisch zu tun hätte, würde ich grantig werden. Das Orchestra war lange Zeit an dem Punkt, dass ich damit folgendermaßen umgehen konnte: Krasser scheiß; du hast aber viel Arbeit investiert und jetzt hast du’s drauf. Ich habe hier mittelfristig nicht damit gerechnet, dass auf der Repertoire-Schiene was passiert. Ich halte es an sich auch nicht für nötig. Eine Band die vielleicht 10 Gigs im Jahr spielt wird niemandem langweilig weil das Repertoire das gleiche bleibt. Entweder man mag den Scheiß oder man mag ihn nicht ;-). Aber Michael bewegt eine ganze Menge und ich kann verstehen, wenn er davon spricht, dass es den Aspekt “NEU” immer wieder braucht, um sich entsprechend zu vermarkten. Und da gehört neues Repertoire nun mal dazu… Die Hound Dogs haben genug Repertoire. Kommt ein Gig wird geschaut welche Playlist für den entsprechenden Anlass funktionieren kann, ggf. am Abend umgestellt, passt. FluXmeister hält die Birne fit. Mit tollen LeuZ kreativ sein, Rhythmen auschecken, Harmonien, Melodien, Gedanken in Texte fassen, die mich umtreiben, was man halt so macht wenn es um eigenen Scheiß geht. Das tut gut und gibt meiner Seele Frieden ;-). So etwas brauche ich. Was ich nicht brauche ist der ganze Scheiß drumrum – Booking, Orga, PR, etc pp; Tätigkeiten für die es extra Ausbildungsberufe gibt, die man aber selber machen muss, weil man Arbeitskräfte nicht bezahlen kann, die einem das abnehmen. Na, und B2TS und Shadow Play ;-). Geile Bands, geile Musiker. Bands bei denen sich zeigen wird was noch alles passiert.

Mein Luxus ist, dass alle Arbeitsfelder spannend sind und mir Freude machen; ich Respekt habe für alle handelnden Personen mit denen ich wirke, ja sogar großartig finde was alles passiert und mit welchen Menschen ich ein Stück des Weges gehen kann und darf. Und der Vorwurf, dass mehr zu erreichen sei liegt mir fern. Ich möchte ihn ja auch selbst nicht gerne hören ;-). Jahrelang habe ich Booking- und Managementtätigkeiten in vollem Umfang geleistet – und leiste sie noch immer, wenn es um Projekte geht für die ich verantwortlich zeichne. Das macht mir keinen Spaß und ist ein Blog für sich wert, zu beschreiben was man sich da alles anhören muss. Da nutzen mir auch meine 30 Jahre Erfahrung und 1500+ Gigs nix. Auch mit Mitte Vierzig bleibst du an vielen Stellen der Arsch vom Dienst, wenn du es nicht bis zum VIP geschafft hast ;-). Es gilt eben kleinere Brötchen zu backen, wenn man bestimmte Dinge nicht mag und vermeidet, oder Bedingungen an den Erfolg stellt, wie ich es nun mal tue. Ich bin selbst kein guter Geschäftsmann, was soll ich es dann anderen Vorwerfen.

Ich bin hier milde geworden. Ich weiß was ich selbst kann, und ich weiß was ich will. Und ich habe gelernt zu akzeptieren an welcher Stelle es Kompromisse braucht – und vor allem an welcher Stelle mir gut tut sie zu machen, weil die Alternative mir kein gangbarer Weg scheint. Aus welchen Gründen auch immer.

Also gilt es mich den anstehenden Projekten zuzuwenden. Mit Freude und der Klarheit zu sagen was mit mir geht und was nicht ;-).

Ob ihr das lest oder nicht ;-): Ich schätze euch alle sehr. Das geht an alle, die sich angesprochen fühlen!

Im nächsten Blog wieder mehr über das was bei FluXmeister ansteht und passiert. Das ist gerade eine Menge ;-)!!!

Stay tuned!

Joachim…

FluXmeister #13

Blog #13

Eigene Events planen und durchführen.

Schon öfter bin ich das Wagnis eingegangen als Veranstalter aufzutreten und durch das Organisieren eines Events einem neuen Projekt zur Vergrößerung seiner Wahrnehmung im öffentlichen Raum zu verhelfen. Soweit zum tieferen Sinn und Zweck der Veranstaltung. Aber natürlich dienen diese Events auch schlicht der Freude an hervorragenden und besonderen Live-Musik-Veranstaltungen. Veranstaltungen, die nicht dem Mainstream dienen. Die Musiker mit Herzblut und Passion auf der Bühne zeigen. Und zwar authentisch und nicht durch das Vermarkten einer Illusion.

Alleine mich wundert immer wieder wie schwierig es sich darstellt. Wie oft habe ich schon gehört, dass der ewig gleiche Einheitsbrei nerven würde, dass die Werbung und bestimmte Märkte nur an unserer Kohle interessiert sind, dass es bei vielen Veranstaltungen nur um den Getränkeumsatz und Prolesie geht, etc.

Dann frage ich mich: Warum werden dann aber Veranstaltungen nicht angenommen, die Menschen mit Rückgrat, Überzeugung und Idealen zeigen? Die Sehnsucht nach der besseren Welt scheint groß. Aber wenn sie tatsächlich vorgelebt wird scheint das schwer auszuhalten zu sein. Die Protagonisten werden dann gerne als Gutmenschen, Weltverbesserer oder was weiß ich was wahrgenommen.

Mir erklärt sich nicht warum eine Veranstaltung mit hervorragenden Musikern, einer eigenen Kraft und authentischer Leidenschaft zur Sache auch nach großem medialen Aufwand bisher einen lächerlichen Vorverkauf erzielt hat. Und das ist nicht nur hier so, es ist bei jeder Veranstaltung so gewesen, die ich in Eigenverantwortung gewuppt habe. Soll ich das persönlich nehmen? Biete ich scheiße an?

Jede Veranstaltung bereitete mir schlaflose Nächte. Ob seinerzeit mit King Creole oder mit den Hound Dogs oder eben jetzt hier mit FluXmeister. Natürlich kommen hier immer Zweifel: ‘Ja, Elvis, vielleicht kein spannendes Thema mehr’. ‘Ja, Rock’n’Roll, vielleicht kein spannendes Thema mehr’. Und jetzt auch wieder? ‘Ja, Rock, vielleicht kein spannendes Thema mehr’. Hä?

Oder der Aspekt: “Mach doch mal was Eigenes!” Für wen? Für die, die es sich nicht anhören oder anschauen kommen? Für die Eifersüchtigen, die selbst gerne da stehen würden wo man selbst steht? Ich wäre gerne bereit mal für einen Moment zu tauschen! Ausübender Künstler wird man nicht weil es Rückenwind gibt oder weil man durch sein Talent durchweg Bewunderung erfährt. Nein, man wird es TROTZDEM einem der Wind ins Gesicht bläst, TROTZDEM man sich dauerhaft Konkurrenz erwehren muss, WEIL man bereit ist allen Widrigkeiten zu trotzen, WEIL man ständig aufs neue ehrenamtlich Kraft gibt, um für seine Ideen zu gehen.

Und wenn man dann geschaffenes für einen Wert anbietet, der an sich in keiner Relation zur geleisteten Arbeit steht, dann darf man sich noch anhören was man sich denn anmaße. Wenn nicht das, dann erlebt man zumindest, dass es keine Bereitschaft gibt Beträge für Live-Musik auszugeben, die als lächerlich zu bezeichnen sind. Warum ist denn die Live-Szene tot?

Ich kann euch gerne mal eine Rechnung aufmachen für den jetzt anstehenden Event:

  1. Hallenmiete
  2. Bandgage
  3. Technik für 2 x Bühnenaufbau Ton und Licht
  4. Technikpersonal
  5. GEMA
  6. Werbekosten
  7. Personal Halle und Reinigungskosten
  8. 10% Prozent für Unvorhergesehenes

Hier sind wir bei rund 5000,- Euro Kosten. Zum Glück gibt es Leute, die uns unterstützen, so dass das Risiko überschaubar bleibt. Bei 12,- Euro Eintritt müssten 417 Besucher kommen bevor ich als Veranstalter überhaupt einen Cent für meine Mühen sehe. Betriebswirtschaftlich machen solche Veranstaltungen überhaupt keinen Sinn.

Und ich kämpfe darum, dass ich 100 Leute bekomme. Schon das wäre ein großer Erfolg für mich. Ich habe mehrere tausend Euro in die Produktionen der beiden Alben investiert, in die Entwicklung einer corporate identity (Logo, PR-Matrial, Fotos, Videos, etc.), ich habe mir eine professionelle Technik für 22 000,- Euro angeschafft und endlose Stunden in die musikalische Arbeit investiert. Und meine Kollegen übrigens nicht minder. Ich trage die Hauptlast, aber viele Dinge werden gemeinsam mit den anderen getragen.

Und jetzt steht wieder ins Haus, dass ich drauflege. Und was ich hier treibe ist nicht die Ausnahme. Das ist die Regel!!! Wundert sich da jemand, dass wir in Einheitsbrei ersticken? Wundert sich da jemand, dass es kaum Menschen gibt, die die Kraft aufbringen diesen Weg zu gehen? Beharrlich diesen Weg zu gehen? Wundert sich da noch jemand warum viele Talente auf der Strecke bleiben die diesem Business-Aspekt nicht gewachsen sind? Die Musik machen wollen und sich nicht permanent irgendwelcher Hürden ausgesetzt sehen wollen?

Zum Glück gibt es Leute, die fördern, die unterstützen, die ermuntern. Und zum Glück gibt es immer wieder die tollen Momente für die es sich lohnt diesen Weg zu gehen. Und es war auch schon immer so. Es war für den ausübenden Künstler immer erst möglich für seine eigene Kunst zu gehen, wenn er durch den Kompromiss der Anstellung zur kommerziellen Darbietung seiner Fertigkeiten die Mittel erwerben konnte, die ihm ebendies ermöglichten.

Ich gehe weiter meinen Weg. Mit Freude an der Musik, an den Menschen mit denen ich meine Passion teilen kann und der nötigen Portion AM ARSCH und TROTZDEM!!!

Der 16.03. wird ein megageiler Abend und ich freue mich tierisch drauf.

Stay tuned!

Joachim

 

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FluXmeister #12

Blog #12

Geschichte wird gemacht, es geht voran!

Unser neues Album ist da!

Wir haben einen neuen Frontmann! Alex Ahner:

Es war ein unglaublich intensives Jahr, das mit einem sehr traurigen Ereignis begann. Frank hatte den Tod seiner Frau zu verkraften. Uns alle hat das sehr bewegt. Das war ein mächtiger Einschnitt! Alle hätten wir verstanden, wenn er sich zurück gezogen hätte. Doch FluXmeister war für ihn Quelle der Kraft. Das ehrt uns als seine Begleiter!

Wichtiges hat er für das neue Album geben können und achtsam haben wir die Entscheidungen getroffen, die es zu treffen galt.

Für mich haben sich viele Dinge dieses Jahr verändert. Und auch wieder nicht. Beruflich dachte ich zunächst mich neu zu orientieren. Anfang des Jahres hatte ich den Entschluss gefasst bei der Combo auszusteigen, die mich finanziell getragen hat. Alle zugesagten Termine würde ich noch spielen – das war bis zum 16.06.17

So hatten die Kollegen ein halbes Jahr Zeit sich um Ersatz zu kümmern. Und ich mich um eine neue Perspektive. Denn wie ich so bin, solche Entscheidungen treffe ich nach empfinden und nicht nach Abwägung und schon eruierter neuer Optionen. Netz und doppelter Boden war noch nie Voraussetzung für meine Weichenstellung. Sonst hätte ich wohl auch nie den Weg als freiberuflicher Musiker gewählt.

Doch ich muss sagen, dass mich zum ersten Mal in meinem Leben doch arge Existenzängste gequält haben. Ich hatte zwar nach wie vor das Vertrauen, dass wenn ich meinen Bedürfnissen folge und verantwortlich mit der Situation umgehe, sich neue Perspektiven ergeben werden. Doch es gab eine Zeit in der ich mit dem Wissen um Familie, Haus und Hof doch schlecht geschlafen habe. Eine große Unterstützung war hier für mich Markus Rother von Music’n’more, der mir immer zur Seite stand und mir immer die Tür offen hielt und hält was eine Mitarbeit betrifft.

Und was soll ich sagen, darüber hinaus hat sich eine tolle Perspektive ergeben! Klar war, dass ich keine Auditions spielen und bei Bands vorstellig werde, die einen singenden Lautespieler gebrauchen können. An sich war ich froh das ständige Touren durch eine sesshaftere Tätigkeit zu ersetzen. So kam es dazu, dass ich Musiklehrer an der Montessorischule Main-Kinzig wurde. Tolles Team, tolle Tätigkeit. Nie ein Freund des Unterrichtens bin ich jetzt wohl in einem Alter, in dem es erfüllend ist gelebte Erfahrung weiterzugeben. So coache ich zwei Schulbands und gebe Kurse in Harmonielehre und Rhythmik.

Derweil testeten die Kollegen andere Gitarristen/ Sänger und bereiteten sich auf meinen Ausstieg vor. Mit dem Wissen darum, dass ich ab Mitte dieses Jahres einen deutlich gelüfteten Kalender haben würde sagte ich zwei neuen Projekten meine Mitwirkung zu. Back to Teen Spirit und der Reunion des Rory Gallagher Tribute – Trios Shadow Play.

Keine Woche nach der vermeintlich letzten Show mit den Kollegen, schon eingelebt in das neue Arbeitsfeld als freiberuflicher Musiklehrer, schon knietief im Grunge – Repertoire von Back to Teen Spirit, erhielt ich einen Anruf. Die Kollegen wollen mich zurück! Bam! Die Entscheidung auszusteigen hatte keine persönlichen Gründe. Es galt also bestimmte berufliche Aspekte zu besprechen, die ich für mich verbessert und erleichtert wissen wollte. Als wir zu einer Einigung kamen wäre es Prinzipienreiterei gewesen die Anfrage zurück zu weisen. Und ich bin froh wieder mit im Boot zu sein und schätze die Profession und Erfahrung sehr.

Was aber nun mit meinem “neuen” Leben? Wieder die Rolle rückwärts? Gegebene Zusagen zurück ziehen? Das wollte ich nicht. So kam es zu einem der arbeitsreichsten Jahre meines Lebens!  Sechs Bands, allesamt mit professionellem Anspruch, zum Teil als Bandleader. Plus der neue Job als Musiklehrer und Mitarbeiter bei Music’n’more. Es soll ja Leute geben, die solch ein Pensum brauchen. Für mich ist das ein große Herausforderung. Es gab Wochen ohne einen Tag der Regeneration.

Aber welch ein Privileg. Allessamt spannende Tätigkeiten, spannende Menschen, erfüllende Erlebnisse! Und die Chance zu lernen wie man sämtliche verschiedenen Ebenen miteinander führen kann ohne sich zu verzetteln. Das braucht Klarheit, Konsequenz und Struktur. Jetzt gilt es aber dafür zu sorgen, dass sich die Dinge konsolidieren und wieder mehr Ruhe in mein Leben kommt. Meine Frau sagt: “Das schaffst du ohnehin nicht!” Zumindest nehme ich es mir vor ;-).

Na und bei all dieser Arbeit galt es unser zweites Baby nicht aus den Augen zu verlieren. FluXmeister – Ende Anfang ebenfalls. Und: das haben wir auch noch gewuppt ;-). Ich bin sehr stolz auf unser Follow-Up und auf meine Kollegen. Auf alle, die mitgeholfen haben es zu erschaffen: Frank, Niels, Chris, Seb, Karl, Thomas, Carmen, Matthias, Marion, Jürgen, Thorsten und unser aller weiteres Umfeld.

Am Ende des Jahres kam noch der Bonus: Durch meinen Einstieg bei Back to Teen Spirit kam es zur Zusammenarbeit mit Alex Ahner, den ich seit Jahren als Sänger sehr schätze. Als er bei einer Probe Spoonman von Soundgarden rausgeknattert hat ging ich so steil, dass ich mir dachte: Verdammt, so eine Röhre bei FluXmeister. Das wär’s!! Irgendwann des nachts auf der Heimfahrt von einem Gig hat mich der Gedanke nicht mehr losgelassen. Völlig übermüdet zuhause angekommen habe ich eine SMS an Alex abgesetzt: ‘Du sag mal – ganz spontan: Könntest du dir vorstellen mal eine Probe mit FluXmeister zu machen?’ Am nächsten Mittag aus’m Bett sah ich auf mein Handy. SMS Alex Ahner: ‘Ganz spontan – ja!’

Und? Hat gepasst! Bombe hat das gepasst! Er ist unser neuer Mann! Wir freuen uns auf 2018!

Check out ‘Ende Anfang ebenfalls’!

Beste Grüße

Joachim

FluXmeister #11

Blog #11

Wie bleibt man in der Kraft und woher bezieht man Motivation?

Ja, das ist die Frage, die sich mir stellt. Ich erinnere einen Kollegen, der mir sagte: “Mach doch eigene Musik! Du hast so viel zu sagen!” Doch durch meine Erfahrung als Musiker war mir klar, dass das in erster Linie eins bedeutet: Go the hard way! Denn von was lebt der geneigte Musiker? Von Anerkennung. Und das beinhaltet eben auch materielle Anerkennung.

Nach unserem letzten Konzert im Lorbass sah ich mir nachts noch drei Shows von Jimmy Fallon an. The Tonight Show. DAS amerikanische Entertainment-Flagschiff. Und ich war wieder mal sehr beeindruckt. Dafür liebe ich Amerika. Leichtigkeit, Professionalität und tief empfundene Anerkennung für Talent und Leistung kreativer Menschen. Nun kann man darüber streiten, ob diese Anerkennung zwei Gesichter hat, weil man das von Deutschland so gewöhnt ist. Aber nein, ich war länger in den Staaten und weiß es aus eigener Erfahrung. Materiell sieht es da genau so aus wie hier. Auch dort wird Dreck gefressen ;-). Aber dort werden nicht nur die Großen verehrt, sondern Talente und Fertigkeiten werden generell bewundert und neidlos anerkannt. Dadurch schmeckt Dreck nicht besser. Es wirkt aber wie Kraftfutter für die Seele.

Gut, ich weiß, ich mache keinen Mainstream. Und die Wege, die ich gehe sind nicht hell beleuchtet. Im Gegenteil. Ich gehe dafür, dass Licht an Stellen kommt – bestenfalls fest installiert wird -, an denen Dunkelheit herrscht. Das lässt mich zwei Aspekte sehen. Auch wieder das amerikanische Entertainmentbusiness als Vorbild: Willst du als kreativer gutes Geld verdienen? Dann schaue was die Menschen unterhält! Sei Mainstream! Aber bleibe echt! Und gebe dein bestes dafür! Mit ganzer Überzeugung und allem Talent, das dir zur Verfügung steht! Große Kunst im Rahmen massentauglicher Entertainmentkonzepte.

Und der zweite Aspekt ist, dass Menschen verdrängen. Es gibt sicher Respekt für Menschen, die sich Dingen widmen, die sie selbst im Keller dunkler Erfahrungen bunkern. Aber sich damit konfrontieren scheint mir nicht im Kontext des Entertainment gewünscht. Eher: ‘Lass mich die Dinge vergessen, die mich beschweren’, als: ‘Lege den Finger in die Wunde’ ;-)!

Also kein Mainstream. Und keine Leichtigkeit. Dabei komme ich mir sehr deutsch vor ;-). Der mit unserer Geschichte beladene Künstler, der hinter die schwülstige Fassade verlogener Lebenskonzepte blickt und sich oft von menschlichen Untiefen beschwert fühlt. Aber so ist es nun mal. Und dafür brauche ich Raum. Raum für meine innere Zerrissenheit.

Es ist wohl das Vorrecht der Jugend für eine bessere Welt zu kämpfen. Geschaffene Werte gelebter Generationen in Frage zu stellen und mit viel Idealismus für neue Werte einzutreten. Nur fühle ich mich wie ein Dauerjugendlicher. Der an eine bessere Welt appelliert und nicht in der Position ist materielle Werte zu schaffen. Was ich in guten Zeiten verdient habe, habe ich alles wieder in Projekte investiert, von denen ich überzeugt bin. Zu vorderst FluXmeister hier. Und ich habe eine Frau die das mitmacht. Wie großartig einen solchen Menschen zur Seite zu haben.

Und nicht nur sie. Auch die Kollegen. Frank, Niels, Chris, Seb, Jürgen. Ihr seid großartige Leute und ich bin ungemein froh, dass es euch und unsere Kiste hier gibt.

Das Wissen um diese Menschen lässt mich weiter meinen Weg gehen. Mit Qualität, Authentizität und einem echten Anliegen. Mit Haltung aber ohne missionarischem Eifer. Ich bin allerdings kein Dauerjugendlicher, der über nicht endende Kraftreserven verfügt. Im letzten Blog hatte ich es ja schon davon. Kann man davon leben? Ja, kann man. Aber bisweilen ziemlich besch…

Weiter geht’s 😉

Joachim