FluXmeister #23

Blog #23

FluXmeister Unplugged!

Nach den letzten Einlassungen, die mich über das Pandemiegeschehen haben reflektieren lassen, hier wie angekündigt ein Abriss über die künstlerische Arbeit, die FluXmeister in der letzten Zeit umgetrieben hat.

Die Überschrift benennt den klanglichen Rahmen, in dem sich das Projekt abspielt. Ohne fette Amps, Schlagzeug und Gewitter. Dafür mit akustischen Gitarren, Cajon und viel Satzgesang. Blitzen und donnern tut’s trotzdem!!!

Ein multimediales Projekt, das hervorragend produzierte und gemasterte TraX beinhalten, die sowohl zu hören, als auch zu sehen sind. Sie kommen in Verbindung mit Videos, die uns bei den Aufnahmen zeigen und den Inhalt der Songs unterstreichen. Und die uns zeigen, wie wir bisweilen konzentriert arbeiten, bisweilen ganz Profi, bei laufender Aufnahme performen ;-).

Wir sind sehr stolz auf das Material und freuen uns, Euch diese Songs in Kürze kostenfrei auf unseren Kanälen präsentieren zu können:

FluXmeister YouTube Channel

  Joachim Villwock MusiX

FluXmeister Facebook

FluXmeister Instagram

Ab Mittwoch wird bis zu den Feiertagen zwischen den Jahren, zwei Mal wöchentlich Material veröffentlicht, das im Zusammenhang mit FluXmeister Unplugged steht. Zunächst Fotos und Clips, die unsere Arbeit dokumentieren. Bis hin zu einer großen Doku, die mein Wirken und Gestalten während der Corona-Zeit abbildet. Ab dem 14.11. folgen dann die Videos der Songs.

Sieben neue Titel haben wir für Euch:

1. Gedanken aus Glas

2. Ich dreh frei

3. Tumult in meinem Kopf

4. Status Sco (Instrumental)

5. Ich liebe was du hasst

6. Verpufft in eurem Lärm

7. Augenblick

Wer sich mit der Geschichte des Projekts und unserem Wirken in dieser seltsamen Zeit beschäftigen mag, ist herzlich eingeladen, in die unten folgende Geschichte von FluXmeister Unplugged einzutauchen. Ich freue mich aber auch, wenn ihr den Links folgt und schaut, was alles auf unseren Kanälen angeboten wird. Wenn ihr uns gar unterstützen wollt, schaut mal hier rein:

FluXmeister Shop

Hier findet ihr unser bisher veröffentlichtes offizielles Material!!!

Und natürlich auf unserer Homepage:

FluXmeister Homepage

In jedem Fall freue ich mich, wenn ihr die oder einen der Kanäle liked, abonniert und die Veröffentlichung unserer Unplugged-Videos verfolgt.

Die Geschichte hinter FluXmeister Unplugged:

Wie kam es dazu?

An sich hatte ich mich, was meine Projekte betrifft, neu aufgestellt und ein paar große Entscheidungen getroffen. FluXmeister stand für 2020 nicht oben auf der Liste. Wir hatten Anfang des Jahres unser LIVE-Album veröffentlicht und wollten bisschen Promo machen und schauen, dass wir ein paar schöne Gigs gespielt kriegen. Gelegentlich proben und sich mal wieder dem spontanen Flow der Ideen hingeben. Guter Plan!

Kam aber anders!!!

Einiges kam anders. Ende letzten Jahres erhielt ich das Angebot bei Purple Rising einzusteigen. Als großer Blackmore-Fan und Liebhaber der Musik von Deep Purple, ergriff ich mit Freude die Gelegenheit und sah mich nun in ein weiteres professionelles Projekt involviert, dem es gerecht zu werden galt.

Jede Entscheidung hat ihren Preis! So war schnell klar, dass durch meinen Einstieg bei Purple Rising, andere Verpflichtungen nicht ohne Abstriche zu erfüllen gewesen wären. Ich bin Band-Musiker. Und das nahezu total. Mit autistischen Zügen bisweilen. Für den Job des Dienstleisters, hätte ich mich nicht entschieden. Ich habe hierfür großen Respekt, ist aber nicht meins. So wie ich auch nicht gerne am Lagerfeuer sitze oder an einem Jam mitwirke. Projektbezogene Arbeit mit einem Team, das ich schätze. On the spot und all in!!! Das ist mein Weg.

An sich treue Seele, galt es jetzt zu entscheiden, wie ich erstens weiter so wirken kann, dass es klare Fronten gibt, und ich zweitens nicht unter totalen Stress gerate. Mein Selbstanspruch ist so hoch, dass ich schon mit einem Projekt gänzlich ausgelastet sein könnte, da ich einen immer noch tieferen Grad an Durchdringung erschließe.

Nur die Tatsachen, dass ich doch gerne zu neuen Ufern aufbreche und es äußerst schwierig ist sein Geld als Band-Musiker zu verdienen, wenn man monothematisch aufgestellt ist, bringen Wandel. Auch wollte ich mehr Ruhe in meinem Leben. Ich habe daher entschieden aus allen Projekten bis auf Krüger Rockt!, Purple Rising und FluXmeister auszusteigen. Inklusive der Hound Dogs, die ich selbst verantwortet habe.

So war der Plan mit Krüger Rockt! und Purple Rising durch die Lande zu reisen, mit FluXmeister weiter der Idee zu folgen, dass U-Musik durchaus einem künstlerischen Anspruch folgen kann, und ich durch Bandcoaching-Projekte mein erworbenes Wissen und meine Erfahrung weiter gebe.

So schaute ich für 2020 auf einen gefüllten Terminkalender. Weiter die geile Sause mit de Rock’n’Rollers, mit herrlicher Vollgas-Mucke durch Deutschlands geilste Klubs, Selbstverwirklichung durch die eigene Musik und der Arbeit an der Homebase mit der jungen Generation. Fett! Gefiel mir!

Ich war zufrieden mit dem Lebenswandel, den ich mir gebaut habe. Mit einer tollen Frau an meiner Seite und einem tollen Sohn, der jetzt mehr und mehr seine eigenen Wege geht. Klar, traurig über tolle Projekte und tolle Menschen, die es nun nicht mehr gab oder ohne mich ihren Weg weiter gehen würden. Aber alles gut!

Und dann? PANDEMIE!

Ich hatte mir in kurzer Zeit das Purple Rising Repertoire in die Finger und in die Birne getrieben und war am Kniedeln wie der Weltmeister. Ein tägliches Übepensum von 6-8 Stunden. Zum Ausgleich Sport und Lesen. Meine Birne lief auf 180. Erste Konzerte mit Purple Rising waren nicht gänzlich reibungslos aber erfolgreich und vielversprechend absolviert.

Es kam der 13. März.

Ein Konzert mit Krüger Rockt! Ich kann mich noch genau an die Atmosphäre erinnern. Krüger Rockt! wollte in der darauf folgenden Woche in den Aldiana Club im Salzkammergut. Wir wollten bisschen Buddy-Urlaub machen, in Verbindung mit der Arbeit an neuem Repertoire. Und das an einem coolen Ort, wo man die Birne an der Rezeption abgeben kann. Viele Kollegen wissen wovon ich schreibe.

Ich war jedenfalls schon äußerst alarmiert. Nicht in Angst – bis heute bin ich nicht in Angst – aber alarmiert. Der Gig hat sich äußerst strange angefühlt. Das Gesundheitsamt hatte empfohlen den Event nicht durchzuführen. Und mir war auch nicht wohl dabei. Die Kollegen verabschiedeten sich mit dem Gruß: “Bis nächste Woche!” Ich kam nach Hause und erzählte Nina, dass ich der Ansicht bin, dass in Kürze wohl nix mehr gehen wird…

Telefonate, Mails, egal welche Kommunikation in den ersten Tagen nach dem 13. März, ließen mich wahrnehmen, dass es doch einen hohen Grad an Verdrängung anstehender Veränderungen gab. Die Öffentlichkeit war noch nicht mal annähernd im Bilde, was Ischgl betraf. Wir wussten von Webasto und Fällen im Karneval. Ich war mir sicher, dass wir Österreich haken können.

Jetzt überschlugen sich die Ereignisse. Es gab jeden Tag eine neue Hiobsbotschaft. Später wurde klar, dass Ischgl schon deutlich früher zum Spreading-Event wurde als angenommen. Aber Mitte März war erst mal nur klar, dass da was passiert ist, was für die ganze Region, Ober-Italien, Süd-Bayern, ja für eine Verbreitung durch Urlaubsrückkehrer in sämtliche Länder, fatale Folgen haben könnte. Österreich schickte ihre Urlauber nach Hause, Grenzen wurden dicht gemacht, Lock-Downs, Shut-Downs, etc. Ist ja alles bekannt…

Jedenfalls war damit Austria vom Tisch und es hagelte Absagen. Hier wäre eine Geschichte für sich zu erzählen, was die Pandemie an konkreten Folgen für mich hatte und wie ich einschätze, was das für unseren Kulturbetrieb bedeutet. Ist aber nicht mein Plan! FluXmeister Unplugged ist die Geschichte ;-)!

Das war zu dem Zeitpunkt noch weit weg. FluXmeister spielte nur in sofern eine Rolle, als dass klar war, dass wir uns eine ganze Weile nicht sehen werden, und ich zur Kenntnis nahm, dass die Veröffentlichung unseres LIVE-Albums in den Wirren der Pandemie  verpuffte…

Wohin jetzt mit meiner ganzen Energie? Mit dem Gefühl des Aufbruchs? Mit der Unsicherheit ob getroffener Entscheidungen und der fehlenden Perspektive Sicherheit zu gewinnen? Heftig! Ich war zu dem Zeitpunkt ein verunsichertes Energiepaket!

Ich schnappte mir die akustische Gitarre. Und ich checkte welche Möglichkeiten ich habe Unterstützung zu finden. Beides automatisch. Es gab kein gezieltes Überlegen oder gar eine Strategie. Aufstehen, Birne frei durch bisschen Sport, Informieren in Sachen Pandemie, akustische Gitarre. Gespielt habe ich Songs. Songs, die mir Kraft gaben.

Parallel gab es eine Entwicklung, die schon vor Corona ihren Anfang nahm. Hanna – unsere Video- und neue Medien-Künstlerin, wollte mit uns eine Idee umsetzen, bei der wir jeder getrennt unseren Part eines neuen FluXmeister-Songs aufnehmen sollten. Das würde von ihr zu einer Video-Collage zusammen gestellt. Dazu kam es aus bekannten Gründen nicht.

Aber so wollte ich das jetzt mit den Songs machen, die mich in dieser schwierigen Zeit beschäftigten. Außerdem liegt mir meine Frau schon seit Jahren in den Ohren, dass ich mich mehr den neuen Medien zuwenden solle, da sich der Markt dahin verschiebt. Wieder eine eigene Geschichte wert. Musik als Fast-Food-Produkt, etc. Ja, ich weiß, dass die Entscheidung gegen dieses Medium eine weitere Entscheidung gegen die Selbstvermarktung ist. Und ich verschließe mich ja auch nicht gänzlich. Schließlich sitze ich ja jetzt hier und schreibe einen Blogbeitrag. Wobei die Tatsache, wie viele Wörter ich hier mache – in der Hoffnung, dass sie an diesem Platz eventuell sogar gelesen werden -, die ganze Crux aufzeigt: Joachim und die neuen Medien…

Aber gut. Konkret für die ausschließliche und kostenfreie Veröffentlichung in den Netzwerken war ich bis jetzt jedenfalls nicht zu haben. Wenn ich nun aber weiter Publikum erreichen will? Und weiter geben will, was mich bewegt, was mich umtreibt, was ich teilen möchte? Ich schloss mich mit Hanna kurz und schnell war der Plan gefasst einen YouTube-Kanal zu erstellen und dort Video-Collagen der Songs zu posten, die mir wichtig waren, und die ich teilen wollte.

Jetzt begann eine ungemein kreative und produktive Phase. Hanna und ich hatten und haben jetzt fast täglich miteinander zu tun. Digital. Ich wurde immer kreativer mit dem aufnehmen verschiedener Stimmen am Instrument, nahm mich an verschiedenen Instrumenten auf, sang mehrstimmige Takes und entwickelte mit Hanna Ideen zur visuellen Umsetzung.

Das lief meinerseits auf einem sehr rudimentären technischen Niveau. Zunächst mit meinem Handy, später mit dem MacBook meiner Frau. Ich drückte auf Aufnahme und es galt den entsprechenden Take von vorne bis hinten sauber durchzuspielen. Den gelungenen Take schickte ich mir nun auf ein Abspielmedium, schickte ihn mir via Kopfhörer aufs Ohr und spielte vor dem MacBook die nächste Stimme dazu ein.

Das brachte ich schließlich an den Punkt, dass ich einen Gospelsong mit Strumming-Gitarre, Slide-Gitarre und fünfstimmigem Gesang aufnahm und Hanna daraus ein sehr unterhaltsames Video baute. Überhaupt sind hier sehr unterhaltsame Videos entstanden.

Es kam sogar dazu, dass ich mit Gastbeiträgen arbeitete. Meine Rhythmusgitarre schickte ich zu Kollegen, die daraufhin ihren Take dazu lieferten und so entstanden weitere Videos. Die genaue Anzahl weiß ich nicht mehr. Es wurden 10-11 Stück, meine ich.

Im Zuge dieses Schaffens blieb ich am Ball was Fördermaßnahmen für Soloselbständige und Künstler betraf. Das Land Hessen legte das Förderprogramm ‘Hessen kulturell neu eröffnen’ auf und schrieb Stipendien aus, die zunächst den Betrag von 2000,- Euro umfassten und zum Ziel hatten Künstler:innen Projekte verwirklichen zu lassen, die Perspektiven aufzeigen sollen, wie ein künstlerisches Wirken in Zeiten möglich sein kann, in denen ein Auftreten und Konzertieren im öffentlichen Raum nicht möglich ist.

Jetzt kam FluXmeister wieder ins Spiel! Denn, klar passte das zu der Arbeit, die ich mit Hanna schon die ganze Zeit am Machen war. Bedingt durch das Stipendium, wollte ich diese Arbeit jetzt weiter professionalisieren. Denn ein Manko hatten die Videos: die zwar brauchbare, aber unter professionellen Gesichtspunkten, nur ausreichende Audioqualität. Außerdem wollte ich jetzt mit eigenen Songs arbeiten.

Mein Projekt für das Stipendium bedingte also eine Modifikation der bisherigen Arbeit mit den Video-Collagen:

1. Eigene Songs

2. Professionelle Audioqualität

So…, das bedeutet dann schon mal einen deutlichen Mehraufwand. Denn die Songs wollen komponiert, die Texte geschrieben und das ganze sollte arrangiert werden. Außerdem bedeutet eine professionelle Audioqualität, dass es unter Studiobedingungen zu arbeiten gilt. Schwierig in Pandemiezeiten. Also: Selbst ein Homerecording-Studio einrichten, Equipment und Recording-Software kaufen, sich in selbige einarbeiten und praktische Erfahrungen sammeln. Und das möglichst in einem Tempo, dass zeitnah brauchbare Ergebnisse ermöglicht.

So what! Ich nahm die Herausforderung an. Was meinen Job betraf, hatte ich ohnehin nur eines zu tun: Die ständigen Absagen eintragen… Ich fand in Seb einen guten Lehrer und meine Tage hatten Struktur.

Zeit ging ins Land und es war wieder vorsichtig möglich sich zu begegnen. So bat ich die FluXmeister-Kollegen um ein Treffen und habe ihnen meine Idee vorgestellt. Da ich zunächst plante alles musikalische in Personalunion umzusetzen, fragte ich erst mal nur an, ob ich die Freigabe habe mit Ideen, die wir gemeinsam gesammelt haben, weiter alleine zu arbeiten, Songs zu arrangieren und damit in einem akustischen Setting Videos zu produzieren.

Das Gespräch lief so erfreulich und zustimmend, dass die Kollegen nicht nur ihre Freigabe erteilt haben, sondern mir ihre volle Unterstützung und Mitwirkung zusagten.

Das Land Hessen legte nun zusätzlich zu dem Arbeitsstipendium sogenannte Projektstipendien auf. Und diese waren auch für Künstlergruppen zu beantragen. Als diese Chance bestand, ergriffen wir nun endgültig die Gelegenheit FluXmeister Unplugged als Bandprojekt umzusetzen.

Und was soll ich sagen. Wir haben in dieser Zeit ein Projekt verwirklicht, dass es an sich nie gegeben hätte. Und das Ergebnis ist hervorragend. Leute, die schon Material gehört haben äußern sich enthusiastisch. Es gab Kommentare wie: “Jetzt verstehe ich eure Musik!” oder “Das trifft voll in mein Herz!” Alex hat davon gesprochen, dass dies das herausragendste Projekt sei, an dem er im Laufe seines musikalischen Wirkens mitgearbeitet habe.

Und mir bleibt ebenfalls nur zu sagen, dass ich damit nicht gerechnet hätte. Ich habe viel gelernt und wieder ungemein von dem FluXmeister-Umfeld profitiert. Und auch einen neuen FluXmeister haben wir dazugewonnen. Maximilian C. Priess, der die Arbeit begleitet und dokumentiert hat.

Die Bandkollegen, auch Hanna, Seb und Max haben unglaubliches geleistet. Und die Musik die dabei herauskam ist fantastisch.

Danke!!!

Joachim

FluXmeister #22

Blog #22

Heißa!

Diese Zeit macht es mir nicht leicht, über die musikalischen Prozesse zu berichten, die bei mir und FluXmeister am Start sind. Aber da kommt was! Da kommt einiges! In Kürze folgt ein Blogbeitrag, der einen Abriss gibt über das, was meine Kolleg:innen, Unterstützer und ein ganzes Kreativ-Team umgesetzt haben: FluXmeister Unplugged! Das ist richtig stark geworden! Freut euch drauf.

Hier möchte ich jetzt ein paar Worte schreiben, die deutlich machen, wie schwierig für mich ist, diese Situation zu handeln. Und mir selbst und vielleicht ja auch anderen bewusst machen, in welche Fallen man immer wieder tappt.

Volker Pispers sagte in einem seiner Programme: “Wenn man seinen Schuldigen gefunden hat, gibt das dem Tag Struktur!” Kabarett. Und schelmisch, mit zwinkerndem Auge formuliert, bin ich geneigt, dies für einen der weisesten und für mich inspirierendsten Kommentare zu halten, die mir unter gekommen sind.

Was gibt uns Halt? Kraft? Sinn?

Man kann es aus der philosophischen Betrachtung herleiten, dass wir in der besten aller möglichen Welten leben – von Leibnitz formuliert, um sich daran abzuarbeiten. Nämlich zu schaffen, zu erhalten, zu gestalten, Gutes zu tun. Schon die Formulierung, sich zu verwirklichen, lässt feine Haarrisse in der Büchse des Bewusstseins entstehen ;-)…

Auch kommt mir Schopenhauer in den Sinn: Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer.

Ich will aber nicht abheben – im Gegenteil: Ich will es auf die Füße stellen! Die grundsätzliche Frage, die sich mir in der Betrachtung meiner selbst und meiner Mitmenschen stellt, ist recht banal: Schließt die Suche nach Erkenntnisgewinn mit ein, das wir alle durch Vorstellungen des reinen wahren Guten, zwangsläufig scheitern, demzufolge nur so gut sind, wie wir eben können. Oder klammere ich den Aspekt des persönlichen Scheiterns aus und betrachte mich als jemanden, der vermeintlich dunklen Mächten ausgeliefert ist, und so unablässig der Möglichkeit beraubt wird, im Sinne des wahren schönen Guten zu handeln.

Eigentlich bin ich ganz anders, ich komme nur so selten dazu.

Egal wie man es sieht, die einzige Möglichkeit für mich da heil durchzukommen, ist mit Humor. Ich denke an Reinhard Mey: Wenn du schlau bist mein Freund, pass auf, dass du nicht vergisst; dass du nur ein armes kleines Würstchen bist! Damit wäre eigentlich schon alles gesagt.

Wohin will ich mit diesen abstrakten Einlassungen? Na wohin wohl, in diesen Zeiten? Zum Umgang mit Katastrophen. Mit Heimsuchungen – gerade wenn sie so vermeintlich unsichtbar daher kommen, wie eine Pandemie. Die größten Verschwörungstheoretiker des Mittelalters wären ja wohl die gewesen, die einem davon erzählt hätten, dass es winzig kleine, für uns unsichtbare Welten voller Mikroben, Bakterien und Viren gibt – keine Ahnung wie sie das genannt hätten: dämonische Winzlinge, kleine Teufel, was weiß ich…

Nun könnte man hiervon ja vielleicht sogar ableiten, dass es auch heute Leute gibt, die schlauer sind, als diejenigen, die im Dunkel stochern und uns vermeintlich am Nasenring durch die Manege führen. An sich die wahren Teufel sind, denen es das Handwerk zu legen gilt.

Aber erstens hat niemand zu Zeiten des Mittelalters derartige Theorien formuliert – zumindest nicht meines Wissens – und zweitens verfügen wir heutzutage über eine Waffe der Erkenntnis: der Wissenschaft! Wir haben eine Aufklärung hinter uns. Wir haben uns aus dem Dunkel des Glaubens befreit und in das Dunkel des Wissens begeben. Und genau so wie ich es formuliere sieht das jeder seriöse Wissenschaftler.

Das einzig erhellende ist die Methode!

Und die Methode ist gut! Wir haben meiner Ansicht nach niemals über eine bessere verfügt. Nämlich der Überprüfung von Annahmen; Behauptungen zu hinterfragen, zu belegen oder zu widerlegen. Und verschont mich mit der Kritik am wissenschaftlichen Werkzeugkasten und der darin befindlichen Werkzeuge. Wir hatten nie bessere!

Nur entsteht dadurch zwangsläufig eine vernünftige Gesellschaft? Was ist überhaupt Vernunft? Untiefen tun sich auf!

Hilft uns die Vernunft? Hilft mir die Vernunft? Macht sie mir möglich ein glückliches Leben in Zufriedenheit zu führen? Oder ist sie ein perfides Mittel, um uns selbst bei unserem Bedürfnis nach Geltung, Macht und Besitz, der Keule des Glaubens ein scharfes Schwert entgegen zu setzen?

Beides sind Waffen! Und beides bleiben Waffen, die in den Händen derer, die sich zunutze machen, dass wir gerne die Verantwortung für unser Leben in andere Hände legen, Schaden anrichten. Und uns für ihre Zwecke manipulieren.

Und genau das ist schon immer geschehen. Egal mit welcher Methode und egal unter welcher Flagge gesegelt wird. Und so wird das auch meiner Ansicht nach bleiben!

Ein fatalistischer Klotz, den ich uns hier vor die Füße werfe. Aber so sehr das danach klingt, dass ich mich diesem vermeintlichen Schicksal ergebe, so sehr bin ich nicht sicher, ob meine Weltsicht nicht nur Ergebnis eines tief geprägten Zweifels an mir selbst und somit eben der gesamten Menschheit ist.

Nur über eines bin ich mir sicher: Wir sind alle aus dem selben Holz geschnitzt.

Mit der Einteilung der Menschen nach Klassen von Schuld bin ich noch keinen Schritt weiter gekommen. Weiter gekommen in dem Bemühen, gelingende Beziehungen – ob freundschaftlich, im Kontext der Arbeit oder partnerschaftlich – zu führen. Und das lässt mich stark vermuten, dass uns das auch nicht weiterhilft, in der abstrakten Betrachtung der Menschen, die wir nicht kennen. Politiker, Ausländer, Virologen, Fanatiker, Fundamentalisten, etc pp. Sobald wir sie kennen lernen, gelten völlig andere wertende Kategorien.

Und wir werten. Das dient der Einordnung der Erfahrungen in für uns nachvollziehbare Kategorien, um – und hier schleißt sich der Kreis – Struktur zu finden.

Und das wichtigste hierfür sind keine Abstrakten Größen, wie der Glaube, die Wissenschaft, die Aufklärung, die Philosophie. Nein Struktur entsteht durch Beziehungen. Wesentlich sind hier Vertrauen, Erwartungen, Sehnsüchte, Bedürfnisse. Auf dieser Klaviatur lässt sich wunderbar spielen, wenn wir nicht die Verantwortung für unser eigenes Leben nehmen. Weniger abstrakt formuliert: Wenn wir uns nicht der Bürde des Lebens stellen. Schon wenn wir das tun, wird es schon deutlich weniger Bürde, ja bisweilen sogar Quell von Erfüllung und Befriedigung.

Aber wir sind nicht gut darin gebildet, die Bürde des Lebens anzunehmen und sich ihr zu stellen. Wir sind gut darin gebildet, uns fortwährend in Konkurrenz zu anderen zu sehen und uns selbst zu optimieren. Einher gehen unnütze Leitsätze wie: Du bist schuld! Die sind schuld! Ihr seid schuld! Durch meine Schuld!

Bis jetzt ist mir gelungen, in diesem Beitrag die Fäkalsprache außen vor zu lassen. Aber der oben stehende Absatz hat nun wirklich ein: Am Arsch! verdient.

Abschließend möchte ich noch schreiben, was das für mich konkret für den Umgang mit der Pandemie bedeutet: Den einzigen Vorwurf, den ich machen kann ist, dass das Argument, das mit Geld und Macht zu unterfüttern ist, ein deutlich einflussreicheres ist. Und die Moral von der Geschicht – bleibe nie ein armer Wicht, was weiß ich denn…

Ich bin ratlos und wende mich weiter den Menschen zu, denen ich vertraue, hege meine Erwartungen, meine Sehnsüchte und versuche so gut ich kann, die Verantwortung für meine Bedürfnisse zu nehmen.

Kommt gut durch diese Zeit!

Joachim

FluXmeister #21

Blog #21

Ich bin wütend. Und ich bin genervt. Zudem gestresst und gemütsmäßig in einer schwierigen Verfassung. Es kommen im Moment viele Dinge zusammen. Da es mich unmittelbar betrifft, natürlich die Situation, dass mein Alltag – mein Lebenskonzept – in Frage steht. Ich bin Musiker. Musiker ohne Bühne. Ein Fisch an Land. Aber was mich gerade in besonderem Maße nervt, sind die Fische, die im Wasser schwimmen und sich beschweren, dass es nass ist!

Ist unser drängendstes Problem, dass wir uns gegen eine Impfpflicht zu wehren haben, die es schon zu Zeiten des Kaiserreichs gab? Gegen die Pocken zwar. Aber warum haben wir mit den Pocken kein Problem mehr in unseren Breiten? Oder ist das drängendste Problem, dass Notverordnungen Politikern in unserem Land ermöglichen durchzuregieren? Was machen wir denn, wenn uns der Himmel auf den Kopf fällt? Schutz suchen? Halte ich für eine angebrachte Maßnahme! Und dann? Bei denen beschweren, die die Unterstände errichtet haben, weil es so dunkel ist? Oder sind Virologen unser drängendstes Problem, die die politische Klasse im Würgegriff halten, um ein Klima der Angst zu erzeugen? Scheiße, geht mir das auf die Eier!

Verdammt, wir leben in einem Land, das mir in einer beschissenen Lage ermöglicht Stipendien zu beantragen. Stipendien, die mir ermöglichen Songs zu realisieren, in denen ich fragwürdige Tendenzen unserer Gesellschaft, der Wirtschaft, der politischen Klasse und die aus meiner Sicht wirklich besorgniserregenden Entwicklungen benenne. Und das deutlich! Wie diktatorisch wird ein Land sein, das mich fördert, genau das zu tun? Und andere das genau so tun können? In dem man seine Unzufriedenheit benennen darf? In dem man frei ist zu sagen was man will, so lange man auf Mittel der Gewalt verzichtet? Und wer tritt denn am militantesten auf? Die Gesichter, die sich beschweren, dass man nicht mehr sagen dürfe, was gesagt gehört!

Was gehört denn gesagt?

Ich für meinen Teil habe es tatsächlich eine Zeit lang so empfunden, dass Konsens war, bestimmte Dinge nicht in die Welt zu posaunen. Und der liberale und freiheitliche Geist mag bisweilen so stark in unserer Gesellschaft gewirkt haben, dass nicht jede Scheiße aus jeder Ritze gekrochen kam. Aber kaum sehen die Rattenfänger Land, ob problematischer gesellschaftlicher Entwicklungen, fangen alle Schafe wieder an zu blöken.

Verdammt, in diesem Verschwörungstheorie-Mist gelten Trump, Putin und Konsorten als Heilsbringer! Geht’s noch? Wenn ich einer Verschwörungstheorie anhänge, dann der, dass dieser Scheiß lanciert wird! Das kommt nicht von ungefähr. Und wird wunderbar gefüttert. Warum sind denn die Heilsbringer Autokraten? Feinde der Demokratie? Feinde eines freiheitlichen Geistes? Fragt euch mal welche Scheiße man euch zum Fraß vorwirft! Und was ihr bisweilen bereitwillig in euch reinstopft!

Letzte Woche telefonierte ich mit einem Mitarbeiter bei der hessischen Kulturstiftung, der deprimiert war, ob der Tatsache, dass kaum Hilfsmaßnahmen angenommen werden, die jedem freischaffenden Künstler zur Verfügung stehen. Tolle Wurst! Aber im Netz lese ich, was alles nicht gemacht wird und wie sehr man uns im Regen stehen lässt. Das gibt’s doch gar nicht! Klar, ist die Situation nicht einfach. Aber was muss ich erleben? Das auch in der Szene, in der ich zuhause bin, der Sündenbock auf den weiden grast, wenn’s eng wird. So, hier fürs Stammbuch aus der Feder des arroganten Herrn: Der Horizont eines Menschen zeigt sich in der Krise!

Zu Beginn der Pandemie habe ich mich an meinen Bundestagsabgeordneten Dr. Tauber, an die Bundesministerin für Kultur und Medien Frau Professor Grütters und an unsere hessische Kulturministerin Frau Dorn gewandt. Alle drei haben mir geantwortet! Alle drei haben mir Zuspruch gegeben. Mir Mut zugesprochen meinen Weg weiter zu gehen, mich aufgefordert durchzuhalten. Alle drei haben mir Links und Anhänge zukommen lassen, mit denen ich arbeiten konnte. Hier wurde aufgezeigt welche Maßnahmen ich in Anspruch nehmen kann, welche Möglichkeiten ich habe, und wo ich Unterstützung finden kann. Auf der Seite der hessischen Kulturstiftung konnte ich einen Newsletter abonnieren. So bin ich immer auf dem neuesten Stand, was es für mich hier in Hessen an Fördermaßnahmen gibt.

Und was soll ich sagen? Mit jedem – ich will nicht lügen, vielleicht gab es Ausnahmen – aber gefühlt mit jedem, mit dem ich spreche, höre ich: Echt? Stipendium? Mail an Politiker? Was soll das denn bringen? Ja, verdammt, es heißt doch, das nur Bildung der Weg zu einem aufgeklärten und selbst bestimmten Leben ist. Und wie ungebildet muss man sein, wenn man die einfachsten Mechanismen unseres Systems nicht kennt und ihnen nicht folgt? Oder durch die Scheiße im Netz so voller Misstrauen ist, dass man sich selbst ins Abseits stellt. Gut gemacht, kann ich da nur sagen!

Die Baustellen, die mich umtreiben, sind andere: Das wir unsere Kinder mit digitaler Scheiße vollpumpen und Angst haben sie vor die Tür gehen zu lassen, weil ihnen was passieren könnte. Das wir unsere Kinder zu führenden Persönlichkeiten einer Wirtschaftselite machen wollen, von der wir alle längst selbst wissen, dass sie uns in eine Sackgasse führt. Das wir auf Menschen Vertrauen, die sich einen Scheiß um unsere tatsächlichen Belange scheren. Sidekick: Was glaubt ihr denn was unser Adolf mit den Springerstiefel-Hirnis gemacht hätte, die blökend durch die Straßen marodieren? Im Straßenkampf verheizt, hätte er sie. Sie an der Front ins offene Messer geschickt, hätte er sie. Und sie für diese Blödheit noch verachtet. Adolf ist tot. Aber es gibt genügend neue gescheite Demagogen, die sich nicht minder ins Fäustchen lachen.

Und das Netz! Ja, das Netz! Das Instrument zur Selbstermächtigung. Zur Freiheit. Wann entfacht eine Bewegung große Kraft? Wenn sie in der Lage ist, eine auf existenziellen Grundrechten basierende Front aufzubauen, gegen die es kein Ankommen gibt. Wir sind das Volk! Und was passiert im Netz? Sämtliche, noch so hirnrissigen Partikularinteressen poppen auf und hunderte, wenn nicht tausende Grüppchen meinen zu wissen, wie der Weg zur besseren Welt aussieht und wer dran Schuld ist, dass dieser nicht beschritten werden kann. Und die gehen sich dann gerne auch mal selbst an die Gurgel oder marschieren unter fragwürdigen Fahnen.

Ich habe lange daran gebaut ein Leben zu führen wie ich es bisher getan habe. Ich bin dafür gegangen, mich nicht in Abhängigkeiten begeben zu müssen, in denen ich Menschen nicht sagen darf was ich denke, weil es für mich Nachteile mit sich bringen würde. Und es ging! In diesem Land. Und jetzt bin ich der oben beschriebene Fisch an Land. Ein Musiker, der meist in geschlossenen Räumen konzertiert, in nicht staatlich geförderten Clubs. Einer der Hauptbetroffenen der Pandemie. Und trotzdem bin ich froh in diesem Land zu leben!

Ich durfte sein, der ich bin. Ohne Einschränkung! Mit Regeln ja! Und viele finde ich schwierig – gerade jetzt wieder! Viele sehe ich kritisch! Mit vielen bin ich nicht einverstanden. Aber ich kann, so sie mich tatsächlich so tangieren, dass ich mich in meiner Freiheit eingeschränkt fühle, politisch aktiv werden, mich an Gerichte wenden. Und ich kann mich bemühen aus meinen Ansichten eine Bewegung zu formen, die etwas in meinem Sinne bewegt. Und das müsste ich in jeder Gesellschaft so tun. Überall gibt es Viele, die es zu überzeugen gilt. Meine Sendung läuft nicht automatisch auf allen Kanälen.

Und ehrlich gesagt ist es genau das, was mich an Idealisten mit großem Sendungsbewusstsein stört: Die Erwartung, dass ihre Sendung auf allen Kanälen läuft. Was passiert, wenn man sich seine Gesellschaft so einrichtet, ist bisweilen auf unserem Planeten zu beobachten. Mir gefallen viele Sendungen nicht. Aber in diesem Land hier darf alles auf Sendung gehen, was sich im Rahmen unserer freiheitlichen Grundordnung bewegt. Und ich bin frei darin zu entscheiden welche Sendung ich sehen oder nicht sehen will. Das ist eine verdammte – und Herrgott nochmal – nicht selbstverständliche Menge!

Also, passt auf gegen wen oder was ihr anrennt und verwechselt persönlichen Unmut nicht mit staatlich verordneter Unfreiheit!

Guten Abend!

 

 

FluXmeister #20

Blog #20

Neustart in eine bessere Welt?

Ich höre im Moment, gerade von jungen Philosophen, vom Neustart in eine bessere Welt. Auf der anderen Seite sprechen die Medien – ich spreche hier von den öffentlich rechtlichen und Printmedien meines Vertrauens: Bild, Focus, FAZ. Blödsinn: Spiegel, Süddeutsche und taz -, vorwiegend aber ARD und ZDF samt deren Spartenkanälen – zu vorderst Phoenix -, sowie dem Deutschlandradio – von der Sehnsucht der Menschen nach Normalität.

Ich sehne mich nicht nach Normalität. Zumindest nicht nach der Normalität, die noch wesentlich desaströsere – ich würde sogar sagen monströsere – Auswirkungen auf unseren Alltag, auf unser Leben und Sterben hat, als die derzeitige Pandemie. Flucht, Vertreibung, Hunger, Folgeschäden der rigorosen Ausbeutung von Resourcen, autoritäre Systeme, Machterhalt, Korruption, Kartelle und organisierte Kriminalität. Alles total geile Normalität. Und wer glaubt, dass es eine Trennung zwischen einer guten Normalität und deren Entartung gibt, der glaubt auch, dass eine Bestrafung des Tötens, des Wegsperrens und der Isolation, die Welt zu einem besseren Platz macht. Der glaubt auch, dass es eine Trennung zwischen der guten organischen und der schlechten, der entarteten menschlich erschaffenen Natur gibt. Zwischen der grünen Wiese, dem Wald, den Meeren und dem kaum verrottenden Plastikmüll, dem Elektroschrott und sonstigem unsäglichen Material.

Aber es ist und bleibt alles eins. Alles ist mit allem vernetzt. Alles kommt aus dem einen scheinbar unendlichen Raum. Auf uns Menschen herunter gebrochen; aus der einen uns umgebenden Welt. Es gibt das größte Große, wie es das kleinste Kleine gibt. Es gibt den reinsten Gebirgsbach, wie es die versiffteste Kackbrühe gibt. Es gibt die Momente des Mitleids, der Nächstenliebe, der Fürsorge, der Empathie, wie es die Rücksichtslosigkeit, das skrupel- und gewissenlose durchsetzen der eigenen Interessen und das mitleidlose Übervorteilen gibt. Die Dualität der Welt, die erst möglich macht zu unterscheiden. Schwarz von Weiß, Gut von Böse, Himmel von Hölle, Liebe von Hass.

Alles Erdenkliche, alles Erschaffene, alle Gnade, alles Grausame, alle Substanz, alle Materie, eben alles ist Teil von allem. Alles ist Natur. Alles ist die eine Welt. Die Natur stellt keine Bedingungen, wie die Evolution ein bedingungsloser Vorgang ist. An der Stelle, an der es gälte über Bedingungen der Evolution nachzudenken, wird es nebulös. Naturgesetze eines Schöpfers? Das soll hier nicht mein Thema sein. Aber wie die Begriffe schon deutlich machen. Natur und Gesetz. Unverrückbare Gleichheit vom einen bis zum anderen Ende des Universums. Mit allem was daraus erwächst oder erschaffen wird.

Wer Bedingungen stellt sind alleine wir! Weil wir nur unter bestimmten Bedingungen lebensfähig sind. Sowohl als kulturelle Wesen, als auch ganz existenziell. Unter bestimmten Voraussetzungen kacken wir ab. Ich habe Respekt vor einem Verständnis von Schöpfung, das auch einen Planenten als etwas leidendes empfindet. Das ist aber nicht mein Vertsändnis. Es gab in der Zeit der Entstehung der Erde und dem Laufe ihrer Geschichte Katastrophen ungeahnten Ausmaßes, denen wir nicht standgehalten hätten. Niemlas! Und der Erde werden wieder katastrophale Ereignisse unvorstellbaren Ausmaßes zuteil. Denen wir ebenfalls nicht standhalten würden.

Aus der Natur heraus eine Begründung für das richtige Handeln abzuleiten macht also wenig Sinn. Das einzige Ergebnis zu dem ich hier komme, wenn ich dieses Weltbild zu Ende denke, ist eine Schicksalsergebenheit, die einem jeglichen Gestaltungsspielraum nimmt. Wir sind das Zentrum der Überlegung wie wir mit den Dingen umgehen! Wir müssen entscheiden, ob wir in einer Kooperation mit der Welt leben, die förderlich ist. Und zwar uns förderlich ist. Wir sollten wahrnehmen, dass ein vernetzt sein mit allem und jedem ebenfalls eine grundlegende Gesetzmäßigkeit ist. Dieser zuwider zu handeln stört den Planeten, das Universum nicht. Aber uns! Uns stört es! Uns zerstört es!

Natürlich nicht alle zur gleichen Zeit und in gleichem Maß. Das macht die Sache tragisch. Denn stört den einen wissentlich, was den anderen unwissentlich zerstört? Nein, tut es nicht. Ein Empfinden für das richtige Handeln ist keine Gesetzmäßigkeit. Wenn es einen Gott gibt, verstehe ich ihn an der Stelle nicht. Was nutzt das Bewusstsein ohne moralischen Kompass? Was hat uns ein Weltbild bauen lassen, dass persönlichen Erfolg auf zutiefst unmoralisches Handeln bauen lässt? Oder ist das Gottes Plan? Ist er ein Zyniker? Macht er sich einen Spaß die Guten von den Bösen zu trennen? Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen?

Wohl kaum. Genetisch und evolutionstechnisch bedingt, scheint nicht moralisches Handeln, sondern sichern, schützen, abgrenzen überlebensnotwendig zu sein. Wenn man die lebensfeindlichen Grundbedingungen in unserem Kosmos betrachtet, kein Wunder… Wunderlich nur, dass es überhaupt zur Entwicklung eines Bewusstseins kam, dass uns genau vor dieses Dilemma stellt. Zu erkennen wie unausweichlich das Leben, um zu überleben, die dunkle Seite der Macht installiert hat, wir aber auf der anderen Seite durch unser Bewusstsein danach streben das Richtige zu tun. Wie auch immer – wie unterschiedlich auch immer – das Richtige definiert sein mag. Nächstenliebe, Mitleid, Empathie, Erfolg, Ficken, Status, Kohle, Rasse, Furz und Feuerstein…

Und ich lande doch wieder bei der Moral. Was uns persönlich betrifft, lässt das Sein durchaus zu, völlig asozial und grenzenlos brutal zu existieren. Uns als Herdenwesen, mit dem Bedürfnis nach Liebe und Geborgenheit, würde ein amoralisches Leben allerdings nur als Psychopaten glücklich machen. Warum nur folgen wir dann so häufig den Psychopaten? Warum denken wir, dass die Menschen, die noch alle Tassen im Schrank haben uns nicht helfen können? Weil die Psychopaten anbieten die Verantwortung zu nehmen! Weil sie anbieten zu führen! Weil sie uns mit der Idee der Einfachheit durch Vermeiden von Komplexität verführen! Und das tragischste dabei: Weil wir bedingungslosen Hass besser ertragen als bedingungslose Liebe!

Im Kampf um die Liebe haben wir hassen, haben wir Neid, Missgunst und Verachtung gelernt. Und die Götzen des Status, der Macht, der Gier und des Erfolgs an ihre Stelle gesetzt. Zutiefst menschliche Probleme! Der Schlüssel zur Lösung unserer Probleme liegt ausschließlich in uns. Wenn wir uns lieben lernen, wenn wir andere lieben lernen, wenn wir Verantwortung nehmen und sie nicht abgeben, verweigern oder von uns weisen. Dann bauen wir Welten, die nicht nur uns selbst, sondern auch künftige Generationen tragen.

Und an dem Punkt, dass wir durch ein katastrophales Ereignis Einsicht und Liebesfähigkeit unserer Selbst und unserer Mitmenschen gewinnen, sind wir nicht. Bei allem Respekt! So werden sich auch nach Corona wieder die Kräfte durchsetzen, die von bestehenden Systemen profitieren, die all ihre Macht und ihre Kraft einsetzen, um weiter ihren Götzen zu huldigen. Und wir werden weiter daran glauben, dass es dazu keine Alternative zu geben scheint.

Soviel zur Frage warum ich das Leben als tragische Veranstaltung empfinde ;-)!

Um mit einer Verschwörungstheorie einer wunderbaren Satire abzuschließen: Moses hat uns mit den 10 Geboten unterjocht. Gott gab ihm nur eines mit auf dem Berg Horeb: Habt euch lieb!

So unglaublich schwer es mir fällt und so groß mein Widerstand bisweilen ist: Ich arbeite dran ;-). Ich halte es für alternativlos ;-)!

Liebe Grüße,

Joachim

FluXmeister #19

Blog #19

„Information is not knowledge. Knowledge is not wisdom. Wisdom is not truth. Truth is not beauty. Beauty is not love. Love is not music. Music is the best…“ Frank Zappa

Alle Begrifflichkeiten haben für mich eine große philosophische Dimension; und wie er hier in einem kleinen Satz unser menschliches Bewusstsein fasst, von Ratio, über Vernunft, zum Gefühl; wie er hier die Brücke vom Denken zum Erleben schlägt, um als Krönung in das Mysterium Musik zu münden, finde ich großartig. Und so wie Zappa kein Entertainer in dem Sinne eines Illusionisten ist, sondern mit Humor und Schärfe den Spiegel vorhält, gehe ich meinen Weg ebenfalls nicht, indem ich durch das Zuspielen der Existenzberechtigungskarte alle Poren des Zweifels mit Gefühlsduselei zuschmiere.

Doch bin ich nicht Gaukler, der wie Zappa im Eulenspiegel-Sinne, zynisch von hinten durch die Brust, den Halb-Gescheiten das Gefühl von Hochmut, im Vergleich zu den anderen Deppen, den Nicht-Gescheiten Häme und voyeurichtische Freude, in Bezug auf die anderen Deppen und den Ganz-Gescheiten humoristische Expertise und Refelxionsansatz, in Bezug auf das Selbst als Teil der ganzen Deppen gibt. Was ihm so, trotz musikalischen Grenzgangs, sehr geschickt erlaubte, sämtliche gesellschaftlichen Gruppen anzusprechen und durch Anpassung an systembedingte Geschäftsmodelle, sehr erfolgreich zu wirken. Sondern ergebe mich in bisweilen tiefer Melancholie eher wie ein Harlekin der Tragik des Lebens. Mit großem Widerstand gegen diese Anpassung.

Ich breche es mal runter auf die Ebene der Gefühlsduselei. Die normale Härte des Lebens ein wenig vergessen zu wollen, ist ein nachvollziehbares Ansinnen. Und dabei behilflich zu sein, ein völlig legitimes Unterfangen. Ein Selbstverständnis der Unterhaltungsbranche. Man könnte sagen Sinn und Zweck der ganzen Veranstaltung. Und es sei jeder und jedem unbenommen, so lange in den dünnen Brettern der Trivialität zu bohren, bis sich in den eigenen Bohrlöchern sinnvolle Muster erkennen lassen.

Mein Wirken ist jedenfalls durchzogen von dem Geist der Konfrontation. Es hat einen moralischen Aspekt. Meine Art die Dinge anzugehen und zu gestalten, hat etwas Appellhaftes, etwas an die Einsicht appellierendes. Sicher! Mit Augenzwinkern! Ich empfinde das Sein als etwas zutiefst tragisches und kann mich gleichzeitig sehr gut darüber amüsieren. Ein Würstchen zu sein bereitet mir keine Sorge. Diese ganze Angst vor Gesichtsverlust und Ehrverletzung ist kein rein orientalisches Thema. Es ist ein zutiefst menschliches und findet sich überall. Die Momente des Selbsthass liegen darin begründet, mich von diesem Scheiß nicht grundlegend befreien zu können. Scheitern nicht gut akzeptieren zu können – überhaupt das Wort Scheitern bisweilen in einer Dimension zu empfinden, die schlechte Gefühle erzeugt, Versagensängste hervorruft und mich dadurch in die Rolle des Unantastbaren zwingt. Elend bisweilen, ja… Aber Humor hilft!

Ich bewege mich in der U-Musik, pflege dabei allerdings eine Haltung, die sicher erfolgversprechender in der E-Musik zu leben und zu wirken wäre. Schwermut und Zweifel sind Säulen meines Charakters, die ich nicht überdeckt wissen will. Die ich offen zeige und lebe. Ich halte meine künstlerische Kraft für sehr stark, ich weiß aber auch, dass in dem Metier, in dem ich wirke, eine Betonung auf die Tragik des Lebens, keine im materiellen Sinne erfolgversprechende Strategie ist. Mit dem beschriebenen Widerstand gegen Anpassung an systembdingte Strukturen, umso mehr.

Aber trotz des Zuwiderhandelns gegen vermeintliche Grundprinzipien der Branche, in der ich tätig bin, lebe ich ein Leben mit, von und durch die Musik. Es gibt sie natürlich auch; die leichten und freudigen Momente. Wenn ich z.B. als Rock’n’Roller gewitzte Licks vor mich hin knattere, ironische, gewitzte, anzügliche Texte singe und den Hengst gebe. Aber die Tragik zeigt sich auch hier z.B. bei den Konzertbesuchern, die sich besinnungslos saufen – mit allen bisweilen erschreckenden Begleiterscheinungen -, die völlig die Kontrolle verlieren und bei denen sich die Hilflosigkeit zeigt, mit der Tragik des Lebens umzugehen. Diese Menschen habe ich im Fokus. Meine Prägung lässt mich viel stärker Scheitern und Lebenslügen wahrnehmen, als die Leichtigkeit des Seins.

Obwohl mir bewusst ist, dass das Scheitern und die Lebenslügen Bestandteil der Leichtigkeit des Seins, der unerträglichen Leichtigkeit des Seins 😉 sind, kann ich dem nicht immer nur mit Humor, sondern oft nur mit einer tiefen Melancholie begegnen. Diese Prägung werde ich nicht überwinden. Aber ich arbeite daran, sie nicht nur als Bürde zu empfinden, sondern als Ausgangspunkt für eine Entwicklung hin zu einem Leben in Selbstzufriedenheit und Akzeptanz. So stelle ich mich meinen Versagensängsten, kämpfe mit den Schatten meiner Vergangenheit und lerne mehr und mehr den Kampf in ein Spiel zu wandeln.

Dieses Spiel hat gerade wieder herausfordernde Züge angenommen, lässt mich aber nicht verzweifeln. Obwohl sämtliche Veranstaltungen abgesagt sind, und ich nicht weiß, ab wann ich mein Leben als Bühnenmusiker weiterführen kann, nutze ich die Zeit für Reflexionen dieser Art, helfe wo ich kann und bleibe kreativ.

Seid herzlich gegrüßt,

Joachim…

FluXmeister #18 – Freischaffende Künstler in Zeiten des Coronavirus

Blog #18

Also gut… Eine weitere Bewährungsprobe für die Arbeit als Freischaffender. Eine erneute harte Prüfung, die Entscheidung betreffend, nicht die Sicherheit, sondern die Selbstverwirklichung gewählt zu haben.

Eine erneute harte Prüfung deshalb, weil das alles, wenn es zur Routine wird, so selbstverwirklichend gar nicht ist.

Ich habe immer danach entschieden, welche Abzweigung mir möglich macht an meinen Idealen fest zu halten, Werte zu leben, die ich gelebt wissen will, um mir selbst gegenüber aufrecht zu bleiben. Ja, um auch authentischer Mahner sein zu können: Practice what you preach!

Aber bisweilen werden Menschen, die ihren Idealen gemäß handeln, bis ins Detail zerpflückt, um aufzudecken, an welcher Stelle sie nicht konsistent sind. Während mit voller Wucht auf die Kacke zu hauen, dass es nur so spritzt, völlig legitim zu sein scheint; machen ja alle so. Man denke nur an Argumentationsketten im Sinne von: “Der wo die Greta da nach Übbersee geschippert hat, hat e Team gehabt, des allesamt geflooche is’! Des war de Greta auch egal!!” Was Menschen zu diesem Scheiß veranlasst, habe ich meine Gedanken zu, mögen aber Psychologen besser beurteilen…

Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit sind Werte, die ich sehr hoch halte. Werte, Ideale, wo bleibt da der Spaß? Der Humor? Genau da wo sich Anspruch und Wirklichkeit bricht. Genau da, wo Altruismus auf Egoismus, wo Gestalten auf Scheitern trifft, wo das Selbstbild Risse kriegt – ja zerbröselt – und man schlau genug ist, sich für die Satire und nicht für das Dogma zu entscheiden.

Und genau diese Haltung war ursächlich, um mich für das Leben als freischaffender Künstler zu entscheiden.

Thema Selbstverwirklichung: Ein ums andere Mal Repertoire vorzubereiten, das ich nicht mag, in Gruppen zusammen zu wirken, in denen die Niveaus heterogen verteilt sind (um es diplomatisch zu formulieren), Gigs zu durchleben, die einen auch mit einer vermeintlichen Jobkarriere, nach fast dreißig Jahren Berufserfahrung, immer noch den Weg zur Toilette als Umkleide weisen, Jobangebote für die tolle Werbung aber leider keine Gage, Sonderförz im Ablauf von Veranstaltungen, Tanzbär und nicht gefeierter Musiker zu sein… Das hat alles nix mit Selbstverwirklichung zu tun.

Und fordert mich als Berufstätigen genau so heraus, wie alle anderen Berufstätigen auch; die durch arbeitsschutzrechtliche Maßnahmen allerdings gestärkt sind an Stellen Nein zu sagen, an denen ich als Freiberufler schlucke, mir den Arsch abwische und weiter mache.

Fällt mir schwer. Sehr schwer sogar! So schwer, dass ich mir dadurch manche Möglichkeit zum besseren Verdienst verbaut habe. So schwer, dass ich bisweilen ganz schön auf dem Arsch gelandet bin. So schwer, dass mir bisweilen ein Ruf voraus eilt. Aber verdammt, ich entscheide mich doch nicht für einen Weg, der auf Sicherheit verzichtet, der einen unsteten Lebenswandel mit sich bringt, der das soziale miteinander mit Familie und Freunden erschwert, um dann noch zu jedem Scheiß Ja und Amen zu sagen!!

Und mir dadurch an bestimmten Stellen wirtschaftlich geschadet zu haben, gleicht mein ungebrochenes Selbstbild locker wieder aus.

Der Kompromiss: Wenn Entscheidungen, die ich treffe von anderen wirtschaftlich aufgefangen werden müssten.

Also lasse ich mich natürlich an vielen Stellen auf Dinge ein, die ich an sich nicht machen möchte, nehme ich bestimmte unliebsame Alltäglichkeiten immer wieder in Kauf.

Und jetzt?

Corona!

Nervige Gigs, anstrengende Gigs, herausfordernde Gigs, erfolglose Gigs, Gigs im Siff, ja gibt’s alles… Aber besser als gar keine Gigs!

Und über die Jahre habe ich mir einen Alltag gebaut, der meinen musikalischen Neigungen, meinen Ansprüchen, meinen Vorlieben immer mehr gerecht wird. Ich habe Achtsamkeit, Demut, Wertschätzung, Abgrenzung und einzuschätzen gelernt, in wen und was es sich zu investieren lohnt. Habe dabei ein Kind gemeinsam mit meiner Frau groß gezogen und setze mich vor allem mit FluXmeister ein, um Haltung zu zeigen und zum Besinnen einzuladen. Einen Schritt zurück zu treten, um persönliche und gesellschaftliche Wirkungsweisen zu reflektieren, zu hinterfragen und zu überdenken.

Dafür braucht es im Moment FluXmeister nicht.

Wenn man es positiv sehen will, bietet sich diese Chance ganz unabhängig eines kritischen Kulturbetriebes.

Aber der Kulturbetrieb braucht jetzt Euch!!! Und einen Staat, der bereit ist in mich, in uns Kulturschaffende zu investieren ohne etwas zurück zu verlangen. Wir Kulturschaffende geben viel. Und das z.B. auch ohne Anspruch auf Arbeitslosengeld. Alleine die Stunden aufzuzählen, die aufgewendet werden, um mit dem Erarbeiten von hochkomplexen Fertigkeiten scheinbar mühelos zu unterhalten, Spaß zu bereiten, zu Irritieren, Anregung zu bieten, sein Selbstbild zu bilden und zu stärken, würden, übertragen auf eine “normale” Jobkarriere, fast mühelos einen Aufstieg in die Führungsetage mit sich bringen.

Das Ausprägen dieser Fertigkeiten erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin, an Selbstorganisation, an Selbstreflexion und im Falle, dass man als Bandleader fungiert ein hohes Maß an Führungskompetenz. Man spielt nicht gemeinsam gut, indem man brüllt: “Scheiße, spielt jetzt verdammt noch mal gemeinsam gut!!!” Es braucht Klarheit, Selbstgewissheit, konkrete Vorstellungen und die Fähigkeit diese zu vermitteln, die Fähigkeit zu motivieren, das Definieren und Benennen gemeinsamer Ziele und das Organisieren starker gemeinsamer Momente. Und das gepaart mit dem aus künstlerischem Antrieb scheinbar naturgegebenen Selbstzweifel, der Bereitschaft sich immer wieder zu hinterfragen. In meiner Utopie sind es solche Menschen, die sich zur Führung eignen und nicht die, die durch materielle Güter Macht anhäufen, angeben und kompromittieren.

Ich könnte hier weiter der freischaffenden Kunst das Wort reden. Aber ich möchte konkret werden. Einen Vorschlag machen, wie möglich wäre uns über die Krise zu helfen:

Und zwar Ausgleichzahlungen für jeden dokumentierten Ausfall einer Gage. Eine Ausgleichzahlung, die nicht zurück erstattet werden muss! Und das in dem prozentualen Maß, dass auch für das Kurzarbeitergeld festgelegt ist. 60% für Singles, 67% für Leute mit Familie. Und das möglichst unkompliziert.

Ein ausgefallener Gig ist in aller Regel nicht in dem Maße nachzuholen, dass es keinen Verdienstausfall bedeutet! Wenn im Herbst gespielt wird, dann nicht gleich wieder im kommenden Frühjahr. Und wenn gänzlich aufs nächste Jahr verschoben wird, wäre das ohnehin das Rebooking gewesen, sprich die entsprechende Gage ist weg. Wenn man neues Terrain erobert hat, kann eine Absage ein Zurücksetzen auf Null bedeuten.

Und bei Krediten, egal in welcher Form, entstünde für viele KollegInnen auch nach der Krise existentieller Druck, da aus einem ausgefallenen Gig keine zwei neuen resultieren.

Nach meiner Einschätzung werden die Menschen nach der Krise zwar mit einer unglaublichen Euphorie – vielleicht ja sogar mit einer ganz neuen Wertschätzung – in die Clubs, Festivals, Bars, was auch immer gehen. Aber selbst wenn alles wieder etwas gelockert wird, gehe ich davon aus, dass eine gewisse Unsicherheit bleiben wird und es noch eine Zeit dauern wird, bis sich die Menschen wieder ungehemmt auf dichtes Beisammensein einlassen werden. Zumal bis zu einer flächendeckenden Durchseuchung noch mal eine zweite Krise im Herbst/ Winter kommen kann. Wir werden sehen.

Ich bin einverstanden mit unserem Staat. Ich kann die Maßnahmen nachvollziehen und kann auch meinerseits nur an die Solidarität appellieren. Wenn jetzt noch die Wertschätzung durch zeitnahe konkrete Unterstützung erfolgt, wende ich mich gelassen innerer Einkehr und kreativem Schaffen zu.

Bleibt Gesund und geduldig!

Joachim

FluXmeister #17

Blog #17

Die Geister meiner Vergangenheit

Das könnte jetzt was länger werden… Wer allerdings gerne bisschen checken möchte wo ich herkomme, was mich geprägt hat und mich bisweilen umtreibt, der ist herzlich eingeladen diesem Blog-Beitrag zu folgen.

Ihr kennt sicher die Momente, in denen ihr schlechte Gefühle bekommt. Wenn ihr Situationen erinnert, in denen ihr euch zutiefst peinlich benommen habt, in denen ihr zutiefst ungerecht und unfair ward, andere verletzt habt, euch selbst gedemütigt und erniedrigt vorkamt oder Situationen erlebt habt, die ihr nicht hättet erleben wollen – mit Eltern, in der Schule, mit Freunden oder gänzlich unvermittelt -, die in euch immer wieder – ausgelöst durch Gerüche, Gesichter, was auch immer – schlechte Gefühle erzeugen. Situationen, die ihr gerne in eurer Geschichte ungeschehen machen würdet, und in denen ihr euch wünscht anders gehandelt zu haben.

Diese Erinnerungen, die immer mit dem Gefühl der Unzulänglichkeit einhergehen, versuche ich dann wegzupfeifen oder irgendwie möglichst schnell aus dem Kopf zu bekommen. Wegpfeifen hilft allerdings wenig! Das sind die Momente, die tief eingeprägt sind, die sich je nach Gemütslage mehr oder weniger nach vorne drängen. Die durch Selbstreflexion nur bedingt zu befreien sind. Eigentlich nur therapeutisch oder in der Auseinandersetzung mit den Menschen, an die diese Erfahrungen oder Gefühle geknüpft sind.

Einige dieser Menschen, die in mir diese Schleier auslösen leben nicht mehr. Wie z.B. mein Vater oder meine Mutter. Hier hilft – und hat auch schon geholfen – nur therapeutische Hilfe, wenn es den Wunsch gibt diese Emotionen zu befreien. Manche Begegnungen lassen sich auch nicht einrichten. So gab es eine Zeit, in der mir die Befreiung eines Schleiers in Bezug auf meine erste Jugendliebe wichtig gewesen ist. Wir waren auch in Kontakt. Irgendwie scheine ich es verbockt zu haben; eine Begegnung war nicht erwünscht.

Und seit Tagen, wenn nicht Wochen, legt sich wieder häufiger ein Schleier über mein Gemüt. Und zwar in Verbindung mit meiner Zeit im Café Wojtyla. Hier habe ich prägende Zeiten erlebt. Das fand alles im Zeitraum von etwa meinem 16. bis 20. Lebensjahr statt. Gekifft, gevögelt, gesoffen, musiziert. Nicht unbedingt in der Reihenfolge, aber alles im Übermaß. Und noch einiges mehr, was mich hätte wegkippen lassen können. Ich war der Großmannssucht verfallen und habe mich bisweilen benommen wie ein Arsch! Ich war aber auch schon immer sehr kreativ und hatte – sicher auch bedingt durch frühe tiefgreifende Verluste – schon immer eine Tiefe, die mich sehr gründlich mit mir und der Welt an sich und im besonderen hat auseinandersetzen lassen.

Meine Kreativität und meine Art der Auseinandersetzung war sicher auch inspirierend für einige Menschen in meinem Umfeld, wie sie mir an vielen Stellen Inspiration waren. Es gab aber auch Demütigungen, die wie so oft, nicht zwingend beabsichtigt, Wunden gerissen haben, die zum Teil nur notdürftig vernarbt sind. Hier gibt es eine Zeit, die noch tiefer geht: Meine frühkindliche Prägung. Die ist aber nicht Thema meines Blogs. Mir geht es um die Schleier, die im Moment mein Gemüt belasten. Und die betreffen meine Adoleszenz.

Im Wojtyla-Umfeld gab es viel Idealismus. Bestrebungen die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Wie das bei Linken aber gerne üblich ist, nicht dadurch, dass man sich gegenseitig bestärkt und bestätigt, sondern auch gerne indem man sich aneinander abarbeitet. Aber nicht die Kritik macht die Welt zu einem besseren Ort. Nicht die Vorhaltung ungenügend zu sein. Als Mann, als Teil der Gesellschaft, als zu unpolitisch, als zu lethargisch, als zu dominant, als was auch immer. Das schafft verkopfte Selbstoptimierer. Die je nach Intellekt immer perfider lernen ihre Untiefen zu verschleiern. Was die Welt zu einem besseren Ort macht ist Liebe! Und Liebe ist ihrem Wesen nach anerkennend, bestätigend, vergebend.

Das hat lange gedauert bis ich das verstanden habe. Denn in Bezug auf Kritik war ich gerne an vorderster Front. Allerdings – und das war das was mich zum Solitär in der Wojtyla-Gemeinschaft gemacht hat – nicht nur in Bezug auf das Schweinesystem und überkommene Gesellschafts- und Rollenbilder. Sondern eben auch in Bezug auf Ideale.

Unsere Geschichte ist eine Geschichte der Gewalt und der Kriege. Dinge werden in Besitz genommen und erobert. Anschließend verteidigt oder verloren. Und darüber entscheiden immer wieder Eliten, die sich herausbilden. Bis sie entweder entmachtet werden oder sich überleben. Und dann bilden sich die nächsten Eliten heraus. Und zwar nicht mit Menschen, die jenseits der Erfahrungswelten agieren, die mir geläufig sind. Sondern mit Menschen wie du und ich! Und vielleicht sogar mit Menschen, die früher im Café Wojtyla palavert haben und mittlerweile mit am Rädchen drehen. Und genau das war mir als junger Mann schon klar.

Eine ziemlich unangenehme Position für sämtliche Beteiligten. Einhergehend mit Arroganz und Selbstherrlichkeit war ich so wahrscheinlich auch nicht der angenehmste Spiel- und Diskussionspartner. Aber daran habe ich gearbeitet. Schon damals und ich tue es immer noch. Und siehe da, es wandelt sich mehr und mehr in Demut. Noch viel lernen er muss!

Aber ich war bei den Schleiern, die sich über mein Gemüt legen. Damals gab es nicht zwingend die Unterstützung für meine Haltung oder für meine Kunst. Das Wojtyla-Umfeld hat mich wahrgenommen als einen selbstverliebten Drogi, der gut Gitarre spielen kann. Natürlich gab es auch ein Umfeld von LeuZ, die mehr in mir gesehen haben. Aber die spielen in Bezug auf meine Schleier keine Rolle ;-).

Nein, es waren die LeuZ, mit denen ich schon seinerzeit darüber diskutieren musste, dass die Dinge, die aus ihrer Sicht frei von Kommerzialität sein sollten genau die Dinge sind, von denen ich Leben will! Ich will tiefe Auseinandersetzung, Kreativität, eine andere Form des Umgangs und des Arbeitsalltags nicht in meiner Freizeit. Das habe ich als Widerspruch empfunden. Liest sich ja auch so! Und wie geht das in unserem kapitalistischen System anders als für die Dinge, die man liebt und mit denen man sich sein Leben verdienen will, einen Gegenwert zu verlangen?

Ich wollte nicht warten bis die Gesellschaft komplett revolutioniert und alle Ideale verwirklicht sind. Utopist war ich nie. Eher Zyniker. Gewiss: Fairness und Gerechtigkeit sind hohe Werte für mich. Und ich arbeite immer transparent, offen und mit dem Angebot mit zu gestalten. Trotzdem war mir früh klar, dass wenn ich jetzt als Künstler eine Zukunft bauen will, dann geht das nur dadurch, dass ich meiner künstlerischen Leistung einen auch kapitalistischen Wert beimesse.

Meine Haltung führte dazu, dass ich als zu unpolitisch – im Sinne von zu wenig bereit zur Revolution – die Möglichkeit abgesprochen bekam im Bauwagendorf in Rodenbach zu leben. Diese Haltung führte dazu, dass ich als zu kommerziell im Umgang mit meinen Interessen wahrgenommen wurde. Bis hin zu sehr verletzenden Momenten. Vieles lag ziemlich tief und nicht mehr präsent.

Jetzt kam es aber dazu, dass eine Veranstaltung eine Wiederbelebung erfährt, die ganz wichtig war für das Wojtyla-Umfeld: Das Open Ass. Eine Open Air – Veranstaltung, die sämtlichen LeuZ ein Forum bot. So auch mir seinerzeit. Ich war zunächst skeptisch, ob ich mir vorstellen kann den ganzen Menschen wieder zu begegnen. Aber ich dachte doch recht schnell, dass hier durchaus die Möglichkeit besteht mich mit meiner Vergangenheit auszusöhnen und sicher auch toll sein kann sich wieder zu sehen.

Wichtig wäre für mich in dem Kontext gewesen für FluXmeister ein Forum zu bekommen. An sich dachte ich tatsächlich, dass es auch eine Selbstverständlichkeit sei, als altgediente inspirierende Persönlichkeit des Wojtyla dieses auch zu bekommen. Aber hier war ich offensichtlich nicht der erwachsene Joachim, sondern diese Erwartungshaltung ergab sich aus meiner frühen bisweilen frustrierenden Geschichte mit diesem Umfeld. Sicher rational betrachtet eine vermessene Erwartung. Trotzdem hat mich die Mail mit der Absage ziemlich verletzt. Die Schleier ausgelöst von denen ich hier berichte. Wieder sah ich mich in dem Umfeld nicht wahrgenommen und zurück gewiesen.

Auch wenn mich das triggert, und  ich so drei Jahrzehnte zurück gehe. Und der junge Joachim schreien könnte: Ihr Pisser! Ihr Ignoranten! Ihr selbstverliebten Arschlöcher, die ihr euch in 10 Jahren in irgendwelchen Vorstandsetagen den Arsch wund verdient! Aber hey, das sind junge Menschen, denen meine Geister aus der Vergangenheit total wurscht sein können und auch sollen. Sie sollen ein geiles Fest feiern!!!

Und ich übe noch ein wenig Demut ;-).

Übrigens nehmen mir Verpflichtungen über das gesamte Wochenende die Entscheidung ab, ob ich trotzdem hingegangen wäre. Ja, wahrscheinlich wäre ich das, aber ob ich es hätte genießen können? In jedem Fall ringe ich mit den Geistern meiner Vergangenheit. Und das ist allemal besser als sich vor ihnen zu verstecken!

Liebe Grüße

Joachim…

FluXmeister #16

Blog #16

Well, it’s ashes to ashes and it’s dust to dust, but if you won’t take me then I guess the devil must…

                                                                                                                                                                           Rory Gallagher

Der Tod von Michael schmerzt mich noch sehr. Und auch die Kollegen trauern nach wie vor. Uns war von Beginn des Verlustes an klar, dass wir den Weg weiter gemeinsam gehen werden. Und doch war es nicht leicht den Faden wieder aufzunehmen. Nicht wissend, ob unsere Sensibilität schon ermöglicht Kraft für den weiteren Weg zu finden.

Schön war es wieder voneinander zu hören und zu lesen. Gut hat sich angefühlt bei den ersten gemeinsamen Begegnungen Michael in unseren Herzen zu wissen und zu spüren, dass richtig ist weiter zu gehen.

Auftritte und die Nachfolge für Michael standen erst mal nicht auf der Tagesordnung. Ein erstes Treffen fand beim Afghanen statt. Frank, Niels, Alex, Jürgen und ich haben uns zu einem feinen Abendessen getroffen, um die Stimmung zu erfassen und zu schauen was erste konkrete Schritte sein können. Weiter kreativ arbeiten – ja 2019 einen Schwerpunkt auf das kreative Arbeiten zu setzen – war sofort der gemeinsame Nenner. Business machen und die Marke FluXmeister nach vorne bringen hat für uns im Moment keine Prio.

Wir trafen uns wieder im Proberaum und haben vier neue Songs erarbeitet. Von zwei dieser Titel hatten wir bereits begonnen Teile mit Michael zu arrangieren. Und auch schon dokumentiert. Es war hart für mich diese Parts zu hören. Die einzigen Tondokumente von FluXmeister mit Michael am Bass. Einen Song haben wir komplett mit ihm fertig arrangiert und auch schon im Proberaum aufgenommen. Vielleicht macht die Technik möglich diesen einen komplett mit Michael dokumentierten Song so zu bearbeiten, dass wir ihn veröffentlichen können. Ich würde mich freuen…

Einen weiteren Titel hatte ich gerade in der Mache. An meinem Geburtstag am 16.11. saß ich in treuer Runde, unter anderem mit Michael, zusammen und habe ihm davon berichtet. Er war sehr gespannt und voller Vorfreude. Die finale Arrangement-Empfehlung für ein erstes Proben mittags am 18.11. fertig gestellt und dokumentiert. Abends erfuhr ich von seinem Tod.

So haben diese Titel für mich etwas sehr besonderes und berührendes. Und wie so oft im Leben Licht und Schatten. Freude über das gemeinsame Schaffen und die unvergessliche gemeinsame Zeit. Und Schmerz darüber, dass sie vorbei ist. Diese Gefühle trage ich ohnehin in meinem Herzen; durch diese Songs erlebe ich sie immer wieder unmittelbar.

Wir haben einen Auftritt in Aussicht. Und zwar in der Musikkneipe KARL in Heidelberg. Ein toller Laden. Sehr nette Leute, eine coole Socke, die den Laden schmeißt. Matz, der ebenfalls Musiker ist und in einer Top-Purple-Cover-Band trommelt. Als dieser jetzt in greifbare Nähe rückte, stellte sich jetzt die Frage, ob wir absagen oder einen Plan entwickeln, wie wir den Gig spielen können. Denn nach wie vor haben wir uns in Sachen Nachfolge für Michael keinen Druck gemacht. Wir haben unsere Fühler ausgestreckt und werden schauen was sich ergibt. Auf eine Entscheidung drängen wegen des Gigs wollten wir nicht.

Also haben wir entschieden: Wir spielen den Gig auch ohne Bass! Sicher eine gewagte Entscheidung. Aber in Anbetracht des Schicksals der Band, für unser Publikum sicher nachvollziehbar. Das mit einem positiven Ausblick in die Zukunft, verbunden mit dem gebührenden pietätvollen Respekt zu vermitteln, wäre Alex und mir sicher gelungen.

Kaum war die Entscheidung getroffen, da hat sich Jochen Karger, der ebenfalls ein enger Vertrauter von Michael war, mit Frank zusammen geschnackt und ihm mitgeteilt, dass er uns gerne unterstützt. Er wird durch seine zahlreichen Verpflichtungen nicht die Zeit finden das gesamte Repertoire auf Blatt und in die Finger zu bekommen. Aber wir sollen ihm doch mitteilen welche Stücke die größten Lücken ohne Bass lassen würden. Und die schafft er sich drauf. Toller Kollege! Vielen Dank dafür!

Und nicht nur er. Als ich mich mit Alf Thamer, ebenfalls hervorragender und versierter Musiker zu einem Bierchen traf, um über eine Zusammenarbeit zu reden, kamen wir auch auf FluXmeister zu sprechen. Als ich ihn auf den Stand gebracht hatte, war sein Kommentar: “An diesem Abend wird es kein Stück ohne Bass geben!” Ist das geil? Großartig um solche Menschen zu wissen.

Und so teilen sich Alf und Jochen am 04.04. den Job am Bass. Eine erste Probe haben wir schon gemeinsam absolviert und große Freude mit- und aneinander gehabt. In Michaels Gedenken werden wir aufspielen und sicher eine gute Zeit miteinander verleben.

Was in der Röhre hängen geblieben ist, ist die Produktion unseres Live-Albums und das Erstellen unserer Videos. Hier bin ich mit dem Label im Gespräch und wir werden den Faden wieder aufnehmen. Plan ist, dass wir voraussichtlich Ende dieses, Anfang nächsten Jahres mit dem Album aufwarten werden. Wir sind am überlegen, ob wir ein Doppel-Album auflegen. Eine Scheibe das genannte Live-Album. Und die andere, Material von der Firnis und der EAe im neuen Mix mit neuem Sänger. In jedem Fall wird was kommen.

Und die nächste Zeit arbeiten wir schwerpunktmäßig gemeinsam an FluX III. Wir freuen uns drauf.

The story continues…

FluXmeister #15

Blog #15

Oh wie schön ist Panama

Tja, es gibt sie für mich immer noch. Die Sehnsüchte, die Träume von Ländern, in denen Milch und Honig fließen. Nicht, dass ich so naiv wäre von einer Zwangsläufigkeit der Ereignisse auszugehen. Aber schön wäre es schon, wenn Gewissheit wäre, dass beharrliches qualitätsvolles Arbeiten mit hervorragenden Musikern und Menschen – darüber hinaus mit einem bemerkenswerten Umfeld von Unterstützern – sich auszahlt. Und zwar in einer Zeit, die noch genug Luft zum Atmen lässt ;-).

Ja, ich weiß; das Leben besteht zum überwiegenden Teil aus Scheitern. Und Erfolg ist genau deswegen so erstrebenswert, weil er dem üblichen Scheitern entgegensteht. Irgendwann gibt es nicht mehr so sehr die Polarität zwischen Scheitern und Erfolg, sondern die Frage: Kann ich mit dem Ergebnis zufrieden sein? Und das Ergebnis hat viele Facetten – alles eine Frage der Wahrnehmung. War es ein befriedigendes Erlebnis mit den Menschen die beteiligt waren? Haben wir eine starke und leidenschaftliche Performance geliefert? Waren wir “perfekt”? Ist eine Steigerung in den Publikums- und Verkaufszahlen zu verzeichnen? Ist was in der Kasse gelandet?

Eine Mischung aus alldem macht Erfolg für mich aus. Und einige der gestellten Fragen kann ich positiv beantworten. Bitter bleibt die Tatsache, dass es ungemein schwer ist Publikum zu generieren, und somit Veranstalter in ihrem Bemühen ebenfalls der Bitternis zu entkommen hervorragende Acts vor leerem Haus auftreten zu lassen, eine Garantie zu bieten, die Hütte voll zu bekommen. Selbst die Bereitwilligkeit nur für Fahrtkosten aufzutreten – was in Anbetracht der geleisteten Arbeit, die in eine Band investiert wurde, um sie überhaupt in den Stand zu versetzen ihr Material gekonnt darbieten zu können, lächerlich ist – wird oft mit den Worten gekontert: “Es kennt euch keiner! Ich muss den Laden aufschließen, jemanden an die Kasse stellen, Technik zur Verfügung stellen – hier ggf. mit Personal, habe Leute an die Theke zu stellen, zu heizen, zu kühlen, sauber zu machen, etc. Und wenn keiner kommt habe ich draufgelegt!” Schwer was dagegen zu sagen!!!

Die einzige Möglichkeit ist also dafür zu sorgen, dass Leute kommen. Welche Möglichkeiten gibt es? Einen Hit schreiben! Den Leuten irgendwie zu vermitteln, man ist hip und es ist cool, wenn man auf uns steht! Oder einfach sein Ding machen und darauf zu vertrauen, dass damit spannende Begegnungen, tolle Momente und geile Mucke bei rauskommt. Das letzte war immer mein Weg. Und dem werde ich auch treu bleiben ;-).

I’ll ride on! And I hope all companions will follow ;-).

Und eine neue Begleiterin ist dazu gekommen, die ganz tolle Arbeit leistet: Hanna Maiberger. Sie zeichnet für unsere Social Media Präsenz verantwortlich und baut immer tolle Collagen, Videos und Beiträge aller Art. Der durch sie in Form und Gestalt gebrachte Content ist absolut qualitätsvoll und ein weiterer Aspekt professioneller Arbeit. Zusammen mit Michael – unserem neuen Bassman – werden Strategien erarbeitet und Pläne umgesetzt. Und die Kiste ist mal richtig im Flow! Große Klasse!

Wir arbeiten weiter an neuen Songs. Drei Titel für ein neues Album sind fertig geschrieben und arrangiert, ein Vierter in der Mache und die Idee zu No5 ist auch schon konkret. Es gibt immer viel zu tun. Aber Raum für den Prozess des Schreibens nehme ich mir; so auch die Kollegen.

8 StudiotraX aus unserem Portfolio sind in Kürze fertiggestellt und zeigen in exzellenter Form FluXmeister mit ihrem neuen Frontmann Alex Ahner! Die nächste Arbeit, die wir dieses Jahr noch abschließen möchten ist das Produzieren von 5 professionellen LIVE-Videos.

Und dann schließt sich der Kreis zu meinen Einlassungen am Anfang des Blogs: Es gilt sich zu bewerben und Publikum für sich zu gewinnen. Am besten bei Festivals, da dort Leute sind, die sich Acts ansehen wollen, die sie kennen. Und so hoffnungsvoller Weise auch uns eine Chance geben. Oder auch bei Agenturen, die das Potenzial sehen und uns als Support schicken. Viele Dinge sind vorstellbar. Zähe und schwierige Arbeit, die mir – ich sag’s wie’s is’ – mit fortschreitendem Alter immer schwerer fällt und zusehends auf die Nerven geht.

Ich habe keinen Bock mich mit einem Projekt das alles hat was es braucht – gute Musiker, gute Songs, gute handwerkliche Qualität, Menschen, die etwas darstellen und zu sagen haben, Leidenschaft zur Sache und ein eigenes Profil – wie klein Hänschen vor dem Türsteher der Dorfdisko zu fühlen. Mag sein, dass mir hier die Demut fehlt. Und ich bin in der Hinsicht schon ein langes Stück Weg gegangen; aber verdammt: Bin ich wirklich so ein Sonderling, dass nur ich erfasse wie bemerkenswert FluXmeister ist? ;-).

Ich freue mich auf jeden Fall auf jedes Stück weiteren Weges mit Frank, Niels, Michael, Alex, Seb, Jürgen, Hanna und allen weiteren Unterstützern. Ihr seid klasse!!!

Stay tuned!

FluXmeister #14

Blog #14

Ein spannender Weg – Herausforderungen bleiben

 

Meine Situation:

Ich verdiene Geld mit Krüger Rockt!, als Bandcoach und Musiklehrer der Montessorischule Main-Kinzig, dem Dirty Boogie Orchestra und den Hound Dogs. Damit ist mein Kalender an sich voll.

Hinzu kommt FluXmeister. Zwar meine Passion, aber ein Projekt mit eigener Musik zu führen – mit allem was es hier braucht, um im Prozess zu bleiben – ist der nächste Fulltime-Job. Sowohl was die kreative, als auch was die administrative Arbeit betrifft.

On top B2TS und Shadow Play. An sich „Spaßprojekte“.

Aber ob nun Geld verdient wird oder nicht. Überall sind Menschen am wirken denen Qualität wichtig ist. Und Anspruch bedeutet Auseinandersetzung, Entwicklung, Prozess. Und das mal sieben… Egal, jeder hat ein unterschiedliches Stressniveau. Mancher sagt: Na und? Andere eher: Krass! Entscheidend ist wie es mir damit geht. Und ich mache gerade die Erfahrung, dass auch ein zu viel an gut bisweilen zur Belastung werden kann.

Wenn ich z.B. in der Vorbereitungswoche der Schule auf das kommende Schuljahr erfahre was alles ansteht, welche Termine zu berücksichtigen sind, wer alles neues aus der Grundschule in die Sekundarschule kommt, Inklusionskinder am Unterricht teilnehmen (Hilfe, kann ich das überhaupt?). Wenn mir Harald von Krüger Rockt! schreibt, dass Alfons Schuhbeck mit uns spielen wird und eine Latte Songs anhängt, die auszuchecken sind, einen Termin am anderen für 2018/19 raushaut, wenn Michael schreibt, dass er mit dem Orchestra ein Weihnachtsprojekt á la Setzer machen will, damit es im Orchestra Progress und neue Felder fürs Booking gibt; hier schon mehrere Arrangements in Auftrag gegeben hat, bei FluXmeister alles mögliche tolle Material unbearbeitet in der Röhre hängt und es gilt Bookingmäßig nach vorne zu kommen – ein neues Album wäre auch nicht schlecht – und eine Liste von Songs seitens B2TS kommt, dann ist das einerseits natürlich großartig. Ich bin als Musiker voll ausgelastet und sogar darüber hinaus. Ich verdiene das Geld, das ich brauche und manchmal sogar darüber hinaus. Trotzdem sitze ich manchmal relativ leer vor dem Rechner und denke: Das geht nicht! Dreh und wende es wie du es willst. Das kriegst du nicht alles unter einen Hut.

Was zu der Frage führt: Warum habe ich mir das so ausgesucht? Weil ich die Herausforderung brauche, um mich zu spüren. Am Limit zu sein vertreibt zudem die Depression. Eigentlich liege ich gerne zuhause auf der Couch. Aber uneigentlich fühle ich mich dann luschig. Und deswegen fange ich an was auf die Reihe zu kriegen. Irgendwie immer das Pendeln zwischen luschig und Vollalarm ;-).

Nein, mal im Ernst: Krüger Rockt! hält den Status des Profis aufrecht und ist ein tolles Team. Ich mache hier Musik die ich mag, wenn das aber alles wäre was ich musikalisch zu tun hätte, würde ich grantig werden. Das Orchestra war lange Zeit an dem Punkt, dass ich damit folgendermaßen umgehen konnte: Krasser scheiß; du hast aber viel Arbeit investiert und jetzt hast du’s drauf. Ich habe hier mittelfristig nicht damit gerechnet, dass auf der Repertoire-Schiene was passiert. Ich halte es an sich auch nicht für nötig. Eine Band die vielleicht 10 Gigs im Jahr spielt wird niemandem langweilig weil das Repertoire das gleiche bleibt. Entweder man mag den Scheiß oder man mag ihn nicht ;-). Aber Michael bewegt eine ganze Menge und ich kann verstehen, wenn er davon spricht, dass es den Aspekt “NEU” immer wieder braucht, um sich entsprechend zu vermarkten. Und da gehört neues Repertoire nun mal dazu… Die Hound Dogs haben genug Repertoire. Kommt ein Gig wird geschaut welche Playlist für den entsprechenden Anlass funktionieren kann, ggf. am Abend umgestellt, passt. FluXmeister hält die Birne fit. Mit tollen LeuZ kreativ sein, Rhythmen auschecken, Harmonien, Melodien, Gedanken in Texte fassen, die mich umtreiben, was man halt so macht wenn es um eigenen Scheiß geht. Das tut gut und gibt meiner Seele Frieden ;-). So etwas brauche ich. Was ich nicht brauche ist der ganze Scheiß drumrum – Booking, Orga, PR, etc pp; Tätigkeiten für die es extra Ausbildungsberufe gibt, die man aber selber machen muss, weil man Arbeitskräfte nicht bezahlen kann, die einem das abnehmen. Na, und B2TS und Shadow Play ;-). Geile Bands, geile Musiker. Bands bei denen sich zeigen wird was noch alles passiert.

Mein Luxus ist, dass alle Arbeitsfelder spannend sind und mir Freude machen; ich Respekt habe für alle handelnden Personen mit denen ich wirke, ja sogar großartig finde was alles passiert und mit welchen Menschen ich ein Stück des Weges gehen kann und darf. Und der Vorwurf, dass mehr zu erreichen sei liegt mir fern. Ich möchte ihn ja auch selbst nicht gerne hören ;-). Jahrelang habe ich Booking- und Managementtätigkeiten in vollem Umfang geleistet – und leiste sie noch immer, wenn es um Projekte geht für die ich verantwortlich zeichne. Das macht mir keinen Spaß und ist ein Blog für sich wert, zu beschreiben was man sich da alles anhören muss. Da nutzen mir auch meine 30 Jahre Erfahrung und 1500+ Gigs nix. Auch mit Mitte Vierzig bleibst du an vielen Stellen der Arsch vom Dienst, wenn du es nicht bis zum VIP geschafft hast ;-). Es gilt eben kleinere Brötchen zu backen, wenn man bestimmte Dinge nicht mag und vermeidet, oder Bedingungen an den Erfolg stellt, wie ich es nun mal tue. Ich bin selbst kein guter Geschäftsmann, was soll ich es dann anderen Vorwerfen.

Ich bin hier milde geworden. Ich weiß was ich selbst kann, und ich weiß was ich will. Und ich habe gelernt zu akzeptieren an welcher Stelle es Kompromisse braucht – und vor allem an welcher Stelle mir gut tut sie zu machen, weil die Alternative mir kein gangbarer Weg scheint. Aus welchen Gründen auch immer.

Also gilt es mich den anstehenden Projekten zuzuwenden. Mit Freude und der Klarheit zu sagen was mit mir geht und was nicht ;-).

Ob ihr das lest oder nicht ;-): Ich schätze euch alle sehr. Das geht an alle, die sich angesprochen fühlen!

Im nächsten Blog wieder mehr über das was bei FluXmeister ansteht und passiert. Das ist gerade eine Menge ;-)!!!

Stay tuned!

Joachim…