FluXmeister #22

Blog #22

Heißa!

Diese Zeit macht es mir nicht leicht, über die musikalischen Prozesse zu berichten, die bei mir und FluXmeister am Start sind. Aber da kommt was! Da kommt einiges! In Kürze folgt ein Blogbeitrag, der einen Abriss gibt über das, was meine Kolleg:innen, Unterstützer und ein ganzes Kreativ-Team umgesetzt haben: FluXmeister Unplugged! Das ist richtig stark geworden! Freut euch drauf.

Hier möchte ich jetzt ein paar Worte schreiben, die deutlich machen, wie schwierig für mich ist, diese Situation zu handeln. Und mir selbst und vielleicht ja auch anderen bewusst machen, in welche Fallen man immer wieder tappt.

Volker Pispers sagte in einem seiner Programme: “Wenn man seinen Schuldigen gefunden hat, gibt das dem Tag Struktur!” Kabarett. Und schelmisch, mit zwinkerndem Auge formuliert, bin ich geneigt, dies für einen der weisesten und für mich inspirierendsten Kommentare zu halten, die mir unter gekommen sind.

Was gibt uns Halt? Kraft? Sinn?

Man kann es aus der philosophischen Betrachtung herleiten, dass wir in der besten aller möglichen Welten leben – von Leibnitz formuliert, um sich daran abzuarbeiten. Nämlich zu schaffen, zu erhalten, zu gestalten, Gutes zu tun. Schon die Formulierung, sich zu verwirklichen, lässt feine Haarrisse in der Büchse des Bewusstseins entstehen ;-)…

Auch kommt mir Schopenhauer in den Sinn: Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer.

Ich will aber nicht abheben – im Gegenteil: Ich will es auf die Füße stellen! Die grundsätzliche Frage, die sich mir in der Betrachtung meiner selbst und meiner Mitmenschen stellt, ist recht banal: Schließt die Suche nach Erkenntnisgewinn mit ein, das wir alle durch Vorstellungen des reinen wahren Guten, zwangsläufig scheitern, demzufolge nur so gut sind, wie wir eben können. Oder klammere ich den Aspekt des persönlichen Scheiterns aus und betrachte mich als jemanden, der vermeintlich dunklen Mächten ausgeliefert ist, und so unablässig der Möglichkeit beraubt wird, im Sinne des wahren schönen Guten zu handeln.

Eigentlich bin ich ganz anders, ich komme nur so selten dazu.

Egal wie man es sieht, die einzige Möglichkeit für mich da heil durchzukommen, ist mit Humor. Ich denke an Reinhard Mey: Wenn du schlau bist mein Freund, pass auf, dass du nicht vergisst; dass du nur ein armes kleines Würstchen bist! Damit wäre eigentlich schon alles gesagt.

Wohin will ich mit diesen abstrakten Einlassungen? Na wohin wohl, in diesen Zeiten? Zum Umgang mit Katastrophen. Mit Heimsuchungen – gerade wenn sie so vermeintlich unsichtbar daher kommen, wie eine Pandemie. Die größten Verschwörungstheoretiker des Mittelalters wären ja wohl die gewesen, die einem davon erzählt hätten, dass es winzig kleine, für uns unsichtbare Welten voller Mikroben, Bakterien und Viren gibt – keine Ahnung wie sie das genannt hätten: dämonische Winzlinge, kleine Teufel, was weiß ich…

Nun könnte man hiervon ja vielleicht sogar ableiten, dass es auch heute Leute gibt, die schlauer sind, als diejenigen, die im Dunkel stochern und uns vermeintlich am Nasenring durch die Manege führen. An sich die wahren Teufel sind, denen es das Handwerk zu legen gilt.

Aber erstens hat niemand zu Zeiten des Mittelalters derartige Theorien formuliert – zumindest nicht meines Wissens – und zweitens verfügen wir heutzutage über eine Waffe der Erkenntnis: der Wissenschaft! Wir haben eine Aufklärung hinter uns. Wir haben uns aus dem Dunkel des Glaubens befreit und in das Dunkel des Wissens begeben. Und genau so wie ich es formuliere sieht das jeder seriöse Wissenschaftler.

Das einzig erhellende ist die Methode!

Und die Methode ist gut! Wir haben meiner Ansicht nach niemals über eine bessere verfügt. Nämlich der Überprüfung von Annahmen; Behauptungen zu hinterfragen, zu belegen oder zu widerlegen. Und verschont mich mit der Kritik am wissenschaftlichen Werkzeugkasten und der darin befindlichen Werkzeuge. Wir hatten nie bessere!

Nur entsteht dadurch zwangsläufig eine vernünftige Gesellschaft? Was ist überhaupt Vernunft? Untiefen tun sich auf!

Hilft uns die Vernunft? Hilft mir die Vernunft? Macht sie mir möglich ein glückliches Leben in Zufriedenheit zu führen? Oder ist sie ein perfides Mittel, um uns selbst bei unserem Bedürfnis nach Geltung, Macht und Besitz, der Keule des Glaubens ein scharfes Schwert entgegen zu setzen?

Beides sind Waffen! Und beides bleiben Waffen, die in den Händen derer, die sich zunutze machen, dass wir gerne die Verantwortung für unser Leben in andere Hände legen, Schaden anrichten. Und uns für ihre Zwecke manipulieren.

Und genau das ist schon immer geschehen. Egal mit welcher Methode und egal unter welcher Flagge gesegelt wird. Und so wird das auch meiner Ansicht nach bleiben!

Ein fatalistischer Klotz, den ich uns hier vor die Füße werfe. Aber so sehr das danach klingt, dass ich mich diesem vermeintlichen Schicksal ergebe, so sehr bin ich nicht sicher, ob meine Weltsicht nicht nur Ergebnis eines tief geprägten Zweifels an mir selbst und somit eben der gesamten Menschheit ist.

Nur über eines bin ich mir sicher: Wir sind alle aus dem selben Holz geschnitzt.

Mit der Einteilung der Menschen nach Klassen von Schuld bin ich noch keinen Schritt weiter gekommen. Weiter gekommen in dem Bemühen, gelingende Beziehungen – ob freundschaftlich, im Kontext der Arbeit oder partnerschaftlich – zu führen. Und das lässt mich stark vermuten, dass uns das auch nicht weiterhilft, in der abstrakten Betrachtung der Menschen, die wir nicht kennen. Politiker, Ausländer, Virologen, Fanatiker, Fundamentalisten, etc pp. Sobald wir sie kennen lernen, gelten völlig andere wertende Kategorien.

Und wir werten. Das dient der Einordnung der Erfahrungen in für uns nachvollziehbare Kategorien, um – und hier schleißt sich der Kreis – Struktur zu finden.

Und das wichtigste hierfür sind keine Abstrakten Größen, wie der Glaube, die Wissenschaft, die Aufklärung, die Philosophie. Nein Struktur entsteht durch Beziehungen. Wesentlich sind hier Vertrauen, Erwartungen, Sehnsüchte, Bedürfnisse. Auf dieser Klaviatur lässt sich wunderbar spielen, wenn wir nicht die Verantwortung für unser eigenes Leben nehmen. Weniger abstrakt formuliert: Wenn wir uns nicht der Bürde des Lebens stellen. Schon wenn wir das tun, wird es schon deutlich weniger Bürde, ja bisweilen sogar Quell von Erfüllung und Befriedigung.

Aber wir sind nicht gut darin gebildet, die Bürde des Lebens anzunehmen und sich ihr zu stellen. Wir sind gut darin gebildet, uns fortwährend in Konkurrenz zu anderen zu sehen und uns selbst zu optimieren. Einher gehen unnütze Leitsätze wie: Du bist schuld! Die sind schuld! Ihr seid schuld! Durch meine Schuld!

Bis jetzt ist mir gelungen, in diesem Beitrag die Fäkalsprache außen vor zu lassen. Aber der oben stehende Absatz hat nun wirklich ein: Am Arsch! verdient.

Abschließend möchte ich noch schreiben, was das für mich konkret für den Umgang mit der Pandemie bedeutet: Den einzigen Vorwurf, den ich machen kann ist, dass das Argument, das mit Geld und Macht zu unterfüttern ist, ein deutlich einflussreicheres ist. Und die Moral von der Geschicht – bleibe nie ein armer Wicht, was weiß ich denn…

Ich bin ratlos und wende mich weiter den Menschen zu, denen ich vertraue, hege meine Erwartungen, meine Sehnsüchte und versuche so gut ich kann, die Verantwortung für meine Bedürfnisse zu nehmen.

Kommt gut durch diese Zeit!

Joachim

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